Kommentar  Massenkultur

Gezappel im Globalen Dorf: Der Harlem Shake ist überall

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Zum Redaktionsschluss lagen die erfolgreichsten Youtube-Versionen des "Harlem Shake“ zwischen 27,5 und 63,7 Millionen Klicks. Natürlich ist das alles nichts gegen die 1,4 Milliarden Klicks, die das Originalvideo von "Gangnam Style“ in den letzten sieben Monaten verbuchen konnte, aber das kann ja alles noch werden.

Der Youtube’sche Klicksuperlativismus hat die Parameter unserer Erfolgswahrnehmung einigermaßen durcheinandergebracht. Klar, klicken kostet nichts (zum Leidwesen mancher), und deren Verkauf von ein paar tausend Büchern oder CDs mag schwieriger sein als hunderttausende Klicks zu lukrieren, aber verdammt viel Aufmerksamkeit ist das allemal, und die ist, so haben wir’s doch gelernt, die heißeste Währung im Spektakelkapitalismus.

In der SZ vom 9./10.3. hat uns der ziemlich ausgeschlafene Blogger Dirk von Gehlen erklärt, dass Internet-Meme (so heißen Praktiken à la "Harlem Shake“, die sich im digitalen Raum rasend schnell verbreiten und in die Wohnzimmer, Wartesäle und Werkskantinen des analogen Raumes zurückgebeamt werden) "die gelernten Muster von Popularität und Wertschöpfung“ verschoben haben. Hier stimmt die Metapher vom globalen Dorf einmal, und echte Kohle lässt sich dabei auch noch verdienen (vor allem von Youtube, sprich Google).

Die aufmerksamkeitsökonomische Analyse belegt, dass der "Harlem Shake“ mehr ist als ein alberner Zappeltanz. Zieht man den "Phänomen“-Mehrwert ab, dann ist er allerdings genau das: ein infantiler Bürospaß zur pseudoanarchischen Kompensation von Disziplinierungsschäden. Kein Wunder, dass das Speedteam der ÖSV-Herren mittlerweile mitshaket. F


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