Kolumne  Außenpolitik

Countdown in Caracas: Was kommt nach Hugo Chávez?

Falter & Meinung | Raimund Löw | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Hugo Chávez, einbalsamiert im Glassarg und ausgestellt für alle Ewigkeit, das hätte dem Showman sicher gefallen. Ein lateinamerikanisches Lenin-Mausoleum wird in Caracas trotzdem nicht entstehen. Denn der mit dem bombastischen Pomp eines Diktators begrabene Chávez hat keine Diktatur errichtet.

Die bürgerliche Opposition hält sich im Augenblick zurück, aber sie ist intakt. Seit den Anfängen des Chavismo spuckt die Presse Gift und Galle. Die Fraktionen der sozialistischen Regierungspartei kontrollieren das Fernsehen, die Ölindustrie und große Teile des wuchernden Staatsapparats. Chávez-Nachfolger Nicolas Maduro, kein Militär, sondern ein Gewerkschaftler, muss die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen trotzdem erst gewinnen.

Der todkranke Chávez hatte im vergangenen Oktober gegen einen starken Rechtskandidaten 55 Prozent erreicht. Ob Venezuela auch ohne den charismatischen Caudillo als Zugpferd auf linksnationalistischem Kurs bleibt, wird wegweisend für ganz Lateinamerika sein.


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