Am Apparat  Telefonkolumne

Herr Thon, wie korrupt sind Ihre Müllmänner?

Politik | Interview: Ingrid Brodnig | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Amtsmissbrauch bei der Wiener Müllabfuhr. Drei Mitarbeiter der MA 48 wurden deswegen zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt - sie hatten zu viel Müll mitgenommen. Dieser Fall regt Josef Thon, Chef der Magistratsabteilung 48, richtig auf.

Warum ist das schlimm, wenn ein Müllmann mehr Müll als geplant mitnimmt?

Stimmt, Planung ist das entscheidende Wort. Wir fahren jeden Tag 270 Müllstrecken, haben 3500 Mitarbeiter. Bei der betroffenen Strecke bekamen wir Hinweise, dass etwas nicht passt. In dem Fall ging es nicht darum, dass nur ein Müllsackerl zu viel mitgenommen wurde. Die drei Mitarbeiter sind zu Adressen gefahren, wo sie nix zu suchen hatten. Es handelte sich um Gewerbebetriebe, wo sie den Müll ohne Auftrag eingeladen haben.

Das war richtig professionell?

Genau. Die haben das auch total blöd gemacht. Etwa den Müll in eine Biotonne geladen und die Biotonne dann auf der Straße in den Restmüll gekippt. Anrainer haben daraufhin angerufen und gefragt, warum wir die Biotonne in den Restmüll entleeren.

Die Mitarbeiter wurden suspendiert, haben Sie auch privat Geld kassiert?

Das ist das Lustigste: Einer behauptet etwa, er ist so ein lieber Mensch, er hat dafür nur einen Kaffee bekommen. Aber wer fährt nur aus Freundlichkeit zu einer Adresse, wo er nix zu suchen hat und lädt dort den Müll ein?

Laut Gericht ist der Gemeinde Wien ein Schaden von 1751 Euro entstanden.

Ja, das wird nun so dargestellt, als sei das nix. Aber Sie können beim Tichy auch nicht die Eismarillenknödel stehlen, weil die nur zwei Euro kosten.

Sagen wir so: Dieser Fall ist eine ungewöhnliche Form von Amtsmissbrauch.

Aber es ist nun mal Amtsmissbrauch. In der Öffentlichkeit heißt’s immer, man soll was gegen Korruption tun. Und wenn einer was gegen Korruption macht, ist er plötzlich der Clown. Also ich find das nicht in Ordnung.


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