"Ich habe ‚Sieg Heil!‘ geschrien“


Interview: Matthias Dusini
Feuilleton | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Der Psychiater Otto F. Kernberg über den grausamen März 1938, die sexuelle Revolution und das Leiden am Arbeitsplatz

Seine Bücher tragen Titel wie "Wut und Hass“ oder "Liebesbeziehungen“. Der aus Wien stammende Psychiater Otto Kernberg gilt als jener Mediziner, der durch empirische Forschungen der Psychoanalyse wieder wissenschaftliches Ansehen verschaffte. Gemeinhin wird sein Name mit dem Begriff der Borderline-Störung verknüpft. Zu Kernbergs zahlreichen Publikationen gehören Bücher über Persönlichkeitsstörungen und Narzissmus.

Bei einem seiner letzten Wien-Besuche entstand das folgende Interview, in dem er sich auch an seine Kindheit erinnert. Vor 75 Jahren erlebte er mit, wie deutsche Truppen in Österreich einmarschierten.

Falter: Herr Kernberg, Sie sind mit zehn Jahren aus Wien geflüchtet. Hat Sie das traumatisiert?

Otto F. Kernberg: Hitler ist im März 1938 in Österreich einmarschiert. Wir sind Mitte Juli 1939 ausgewandert. Das war im letzten Moment, denn ab 1. September

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