Geschichten aus dem Wiener Untergrund

Stadtleben | Fahrtest: Birgit Wittstock | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

U-Bahn-Fahrer Thomas Reitterer braust durch die Dunkelheit oder liegt in der Sonne, wenn andere arbeiten

Es ist ein bisschen so, als wäre man lange Zeit mit einer Stirnlampe durch eine enge, dunkle Höhle getaucht, und wenn man am Ende an die Oberfläche kommt, dann strahlt die Welt in gleißendem Licht und man kann endlich wieder frische Luft atmen. So ähnlich ist es, wenn man die U3 durch ihr schier endlos anmutendes Tunnelsystem steuert, um dann kurz nach Erdberg für einen Moment aufzutauchen.

Sitzt man vorne in der Fahrerkabine, scheint der Tunnel nämlich noch enger, der Zug noch schneller, als wenn man bloß seitlich aus dem Fenster ins Schwarze hinausstarrt.

In dieser unterirdischen Schattenwelt sieht man Mäuse herumschleichen, Schuhe liegen vereinzelt auf den Gleisanlagen, der Kopf einer Puppe, Unmengen an Papierfetzen und Plastiksackerln und alle möglichen Abfälle, die die Züge aus den Stationen mitsaugen. Die Luft in der Kabine ist warm und stickig, das Rattern der Räder


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