Langweiligkeiten im Romantic Look

Stadtleben | Stilkritik: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Verkehrte Welt: Supermodels inspirieren jetzt die Mode bei H&M. Das kann nicht gutgehen

Supermodels, das haben wir im "Next Topmodel“-Jahrzehnt gelernt, sind niemals privat. Zumindest nicht, wenn die ganze Welt guckt. Das ist sicher nicht nur bei Ober-Topmodel Heidi Klum ("Germany’s Next Topmodel“) so, das wird auch bei Supermodels wie Joan Smalls, Daphne Groeneveld, Lindsey Wixson und Liu Wen nicht anders sein. Dass sich H&M nun den "Alltagslook“ der vier jungen Frauen zunutze macht, um mit bekannten Gesichtern ziemlich biedere Mode zu promoten, ist da nur zu verständlich.

Es kommt zwar ein bisschen so rüber, als hätten Joan, Daphne, Lindsey und Liu für das Unternehmen eine eigene Kollektion entworfen. Dabei ist es ja bloß so: "Ihr Alltagslook ist die Inspiration hinter der Pre-Summer-Kollektion The New Fashion Icons“, freuen sich die Verantwortlichen bei H&M. Streetstyle also. Wieso sich die Designer dafür nicht auf x-beliebigen Straßen inspirieren lassen können, liegt auf der Hand: weil auf diesen Straßen ja auch alle so x-beliebig angezogen sind, als kämen sie gerade vom Einkaufen bei H&M (Hollister oder Abercrombie & Fitch).

Also holt man sich einfach den Streetstyle von jener Straße, die geradewegs zum Laufsteg der Supermodelle führt. Aber knapp daneben ist auch vorbei. Und so werden wir in den nächsten Wochen in Werbekampagnen vier angesagte Hochglanzillustriertengesichter sehen, die den Kundinnen modische Langweiligkeiten im Romantic Look verkaufen sollen: Hippieskes mit Fransen oder Quasten und Schlapphut, Lederhalsketten (ebenfalls mit Fransen) oder kniehohe Stiefel für den Frühsommer, aha.

Was kommt als Nächstes? Lässt man sich bei H&M von den großen Modehäusern inspirieren und macht Reklame mit Karl Lagerfeld oder Hedi Slimane? F


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