Menschen

Schön trinken

Falters Zoo | Barbara Schellner, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Sagt man nun denglisch Immitschtanz oder französisch Imarschtanz? Das war eine von zahlreichen Fragen, die sich das Publikum bei der Eröffnung von Imagetanz im Brut gegenseitig stellte. Man hätte ja auch einfach Bettina Kogler fragen können, die das Festival (heuer letztmals) kuratiert. Kogler ist nicht nur die Chefin, ob des riesigen Andrangs musste sie auch Eintrittskarten abreißen. Wir fragen das nächste Mal. Jedenfalls hätte Imarschtanz am Eröffnungsabend hübsch gepasst, denn es gab ganz schön viel Popo fürs Geld. Diego Agulló und Dmitry Paranyushkin präsentierten die Wien-Mission ihres "Humping Pact“-Projekts. Dabei geht es, wie wir bei einer Lecture-Performance lernen konnten, darum, an Gebäuden sexuelle Handlungen zu vollziehen. Im Falle von Wien mussten unter anderem die Gloriette, Schloss Schönbrunn oder das Künstlerhaus dran glauben. Anschließend zeigten noch die zauberhafte Florentina Holzinger, eine Peaches der Performancekunst, und der nicht minder zauberhafte Vincent Riebeek ihr Stück "Spirit“. Das steht irgendwo zwischen Spiritualität und Spirituosen im Theaterregal, und, ja!, Schnaps gab es auch für alle. Prost!

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Restlos ausverkauft präsentierte sich letzten Donnerstag die gewohnt uncharmante Planet.tt/BA-Halle im Gasometer. Verzweifelte Menschen bettelten draußen vergeblich um Tickets. Der Grund für den Massenauflauf: Mumford & Sons. Die vier schrammelnden Herren um Marcus Mumford (die anderen sind aber nicht seine Söhne!) gaben ihr Wien-Debüt und zogen ein sehr umfangreiches Konsenspublikum zwischen Hit- und Hipsterradio an. Zwei Stunden lang spielten sich die Briten also beherzt durch ihr frenetisch bejubeltes Welttourneeset, kitschige Lichtspiele mit Gänsehautfaktor inklusive. Natürlich ist das alles irgendwie schrecklich vorhersehbar, aber schrecklich schön. Nur die Halle nicht. Die kann man sich einfach nicht schöntrinken.

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Wird Francesca von Habsburg jetzt Wirtin? Die Spatzen pfeifen es jedenfalls von den Falkturmdächern und es raschelt in den Blättern der Bäume im Augarten, dass die Kunstmäzenin dortselbst ein Sommerlokal eröffnen wird. Wie das ungefähr aussehen könnte, davon konnte man sich in der von-habsburgischen Thyssen-Bornemisza-Art-Einrichtung TBA 21 überzeugen, wo die Neowirtin eine hübsche, aus gelben Schalungsplatten zusammengezimmerte Bar eröffnete. Mehr dazu in der Kulturreportage von Kollege Nüchtern auf Seite 27.

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Und dann gab Kurier-Mann Rudolf John im noch uneröffneten Kempinski auch schon wieder bekannt, wer heuer alles für den Film- und Fernsehpreis Romy nominiert ist. Also eh die üblichen Verdächtigen. Obwohl: ORF-Journalistin Ingrid Thurnher ist diesmal gar nicht dabei. Dafür Puls-4-Ankerfrau Corinna Milborn. Zum Beispiel. Weil das ein Publikumspreis ist und wir hier ja auch Publikum sind, haben wir schon abgestimmt und können die Zoo-Romys "Zoomy“ bereits jetzt vergeben: Martina Gedeck, Simon Schwarz, Maria Furtwängler, Nicholas Ofczarek, Pia Hierzegger & Michael Ostrowski und für die Abteilung Show die deutschen Fernsehzirkusdirektoren Joko Winterscheidt & Klaas Heufer-Umlauf. Dafür, dass Armin Müller-Stahl am 20. April für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird, können wir übrigens nichts.

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Jetzt schon die Guten: Beim Solidaritätskonzert "Refugee Action Protest Soli 2“ diesen Samstag im Wuk treten unter anderem Manuel Rubey und Florian Horwath gegen eine freiwillige Spende auf - zugunsten der Votivkirchen-Flüchtlinge (die jetzt im Servitenkloster leben). Und das muss man sich gar nicht schöntrinken. Das ist schön.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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