K&M-Halle: Altbackene Malerei in renovierter Hülle

Lexikon | Kritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Nachdem das Grazer Künstlerhaus, jetzt Halle für Kunst und Medien, vom Büro Bramberger bedachtsam revitalisiert wurde, versucht die von Sandro Droschl und Christian Egger kuratierte Eröffnungsausstellung eine inhaltliche Revitalisierung des Hauses. "Chat Jet" (bis 5.5.) will zeigen, wohin die künstlerische Befragung des Mediums Malerei bislang geführt hat, wirkt dabei aber leider mehr nach Jetlag. Also kommen zumeist nicht scharfkantig geschlossene Tafelbildvarianten an die Wand, sondern es hängt recht frei herum, was in einst auf Keilrahmen gespannt worden wäre: raumgreifend in den Alphabet-Monogrammen von Ei Arakawa und Nikolas Gambaroff, die klar machen, dass Demonstrieren schon mal politischer war. Brav unter der Last des Farbauftrags leidend bei Pamela Rosenkranz. Stimmungsimpressionistisch bei Jessica Warboys. Ausgesucht versifft bei Reto Pulver, der damit die Intuition des Betrachters provozieren will und im Untergeschoß Zelte baut, kleine Höhlen, die das retrospektive Ausreizen medialer Zustände in Monet'sche Rundumansichtigkeit überführen. Oder das Bildfeld wird in Richtung Wandfläche erweitert: am sportlichsten bei Franz Amann, der wohl gerne Tennis spielt, wie viele bunte Aufschlagspunkte glauben lassen, am "unsportlichsten" bei Lotte Lyons Minimalismus-Remake. Noch altbackener will die Malerei dort erscheinen, wo sie in ihrem Geviert verbleibt, wie in Reena Spaulings' Aneignungen der Körperabdrucktechnik von Yves Klein. Am spannendsten sind noch die Verschränkungen von Malerei und Video bei Alex Hubbard. "Being the medium is exhausting", wissen Jana Eulers verrenkte Strichmännchen.


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