Film Noch im Kino

Auch ein Meisterregisseur hat's schwör: "Hitchcock"

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Es ist ein schöner Zufall, dass sich die Oscar-Saison ungefähr mit der Faschingszeit überschneidet: Ab November zeigen die Kinos verlässlich Filme, in denen sich Filmstars als prominente Persönlichkeiten verkleiden. Den Oscar hat heuer Daniel Day-Lewis für seinen "Lincoln" abgeholt, auf einem Kostümball hätte "Hitchcock" aber die besseren Chancen: Den fülligen Master of Suspense gibt Anthony Hopkins im Fettanzug und mit aufgeklebten Plusterwangen. Gespielt wird vor allem mit den Lippen, die - wie in Hitchcocks medialen Selbstinszenierungen und Hopkins' Lecter-Performances - genüsslich gespitzt allerhand Makabres von sich geben. Den Hintergrund der süffisanten Maskerade gibt die Produktionsgeschichte des Horrorzentralfilms "Psycho" (1960), den Hitchcock wegen Widerstands seines Studios selbst finanzierte. Fein, dass Ehefrau Alma Reville (Helen Mirren) vom Film als entscheidende kreative Mitstreiterin ins Rampenlicht geholt wird; und nett sind auch die paar Seitenblicke auf die Publicitymaßnahmen zu "Psycho", die entscheidend beitrugen, das Publikum im Kino das Kreischen zu lehren.

Vor allem muss "Psycho" im Skript von John J. McLaughlin ("Black Swan") aber als Tür in des Künstlers Seele herhalten: In den dümmsten Szenen erscheint Hitchcock Serienmörder Ed Gein zum Plausch über dunkle Obsessionen, bei der legendären Duschszene schwingt der Kontrollfreak selbst das Messer. Während er von seinen Hauptdarstellerinnen (als Janet Leigh: Scarlett Johansson) fantasiert, kommt ihm Alma fast abhanden. Deren mütterliche Sorge bewahrt "Psycho" am Ende davor, als - Dialogzitat - "Totgeburt" zu enden. Soviel banal-ödipale Psychologisiererei hat sich Hitchcock nicht einmal in den Schlussminuten von "Psycho" erlaubt.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Haydn)


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