Katharinas Nachtwache Was in Wiens Partyszene passiert - Veranstaltungen im Überblick

Vorm Club ist sich jeder selbst der Nächste

Lexikon | Katharina Seidler | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Geduldig in einer Schlange stehen: schwierig, aber machbar. Eine ungeduldige Menschenmasse kontrollieren: noch schwieriger, aber ebenso nicht unmöglich. Normalerweise berichten wir an dieser Stelle von Festen, auf denen wir gewesen sind, heute erzählen wir aus aktuellem Anlass über die eineinhalb Stunden, die wir erst scherzend, dann augenverdrehend draußen vor dem Cafe Leopold verbracht haben. Wenn eine junge Party wie Bande à part an diesem Samstag so gut besucht ist, dass die Gäste gestaffelt hineingelassen werden müssen, ist das ein erfreuliches Zeichen für die Wiener Clubkultur. Nicht umsonst aber leiten Clubriesen wie die Londoner Fabric den Besucheransturm vor ihren Türen mit Metallzäunen in Bahnen, denn Frechheit siegt und Darwins Gesetz gewinnt in drängelnden Menschentrauben neue Gültigkeit. Es ist die Aufgabe jeder Venue, für geregelte und mehr oder weniger faire Verhältnisse vor dem Eingang zu sorgen, und wenn das etwas enttäuschende Fazit heute lauten muss, dass es ohne Absperrungen und sanft einschreitende Securitys nicht geht, dann soll es um der Unbeschwertheit auf der Party willen eben so sein.

VORSCHAU

FREITAG: Die guten Menschen rund um Totally Wired Records verwandeln die Transporter Bar nachmittags zum Transformer -Spezial-Plattenladen, Cafe, Plauderecke. Abends gibt es Konzerte, Talks, DJs und Video-Art; die Eröffnungsfeierlichkeiten dauern noch bis Mittwoch. Wie der roheste und vielleicht beste Techno dieser Tage klingt, demonstriert das Superproduzentenduo Karenn in der Pratersauna, während Bruno Pronsato in der Grellen Forelle elastische Fäden zwischen House, Techno und hakenschlagender Verjazzung spinnt. DJs und Musik im Kunstkontext findet man bei Early Birds in der Kunsthalle und der 10-Jahres-Party der Albertina in der Roten Bar ebenso wie im weitesten Sinne beim Rave-Irrsinn von HGich.T in der Szene Wien. Namito aus Berlin gratuliert Zuckerwatt im Sass mit einer Extradosis Techhouse zum fünften Geburtstag, und die Hosts von Bebop Rodeo und Vihanna verlegen im Hundsturm Rap und Bass-Music.

SAMSTAG: Das sound:frame-Festival wirft seine Lichter und Schatten voraus und lädt den feinsinnigen dänischen Beatbastler Sekuoia zur Pre-Party ins Cafe Leopold ein, ebenso wie sich das Donaufestival im Brut im Künstlerhaus mit den britischen Art-Poppern The Irrepressibles nach Karenn bereits zum zweiten Mal an diesem Wochenende für April warmtanzt. Will Saul erläutert in der Pratersauna, warum die Verbindungslinie zwischen Techno und House für ihn nur Deepness heißen kann, und DJ DSL, Urbs, Cut Ex und Bug treffen sich im Loft zum Breakbeat-Special.

seidler@falter.at

Katharina Seidler ist Musikjournalistin und Mitarbeiterin von FM4. Sie prüft die Beats und Partys der Wiener Clubszene


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige