Seinesgleichen geschieht  Der Kommentar des Chefredakteurs

Europäische Gleichzeitigkeiten: Papst der Armen, Zypernkrise der Reichen


Armin Thurnher
Falter & Meinung | aus FALTER 12/13 vom 20.03.2013

G anz selten gibt es Ereignisse, die nicht nur zur gleichen Zeit stattfinden, sondern auch noch gut zueinander passen. Wie die Zypernkrise und der neue Papst zum Beispiel.

Bei Franziskus I. weiß man nicht, wo man anfangen soll, die Missverständnisse auszuräumen. Den Moment, als er zum ersten Mal auf den Balkon trat, hat er jedenfalls auf bezaubernde Weise benutzt. Er hat gezeigt, wie man das jahrhundertealte Ritual leichtnehmen kann, ohne es abzuweisen. Er hat uns einen einfachen Menschen vorgespielt, der er gewiss auch ist, sonst könnte er ihn nicht spielen - aber auf einer solchen Weltbühne kann man wiederum nicht anders, als ihn zu spielen.

Sein Auftritt und der Name, den er sich gab, waren Programm. Sofort fiel mir der Theologe Adolf Holl ein, der vor kurzem in einem wunderbaren "Journal-Panorama“-Streitgespräch auf Ö1 von dem Konklave erklärt hatte, er wünsche sich einen Franziskaner auf dem Heiligen Stuhl, die hätten die Befreiungstheologie hervorgebracht (Holl nannte

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