Kommentar  Wohnungspolitik

Die "Bonzen“ im Gemeindebau sind nicht das Hauptproblem

Falter & Meinung | Barbara Tóth | aus FALTER 12/13 vom 20.03.2013

Es hat lange gebraucht, bis die Politik das heiße Thema "leistbares Wohnen“ wiederentdeckt hat. Jetzt, fünf Jahre nach dem Finanzmarktcrash, im sogenannten Superwahljahr 2013, ist es so weit. Die ÖVP will "Bonzen“ aus dem Gemeindebau drängen, die SPÖ die Wohnbauförderung, die zuletzt von den Landeshauptleuten für alles Mögliche verwendet wurde, auch zum Spekulieren, wieder zweckwidmen.

Beides sind Schattengefechte, die eher dazu dienen, die Klientel des politischen Konkurrenten zu ärgern.

Denn der rasante Mietpreisanstieg findet woanders statt: in Ballungsräumen, in denen Immobilien zu Anlageobjekten von verunsicherten Investoren geworden sind. Darunter leidet weder der Gemeindebaubewohner, der von vermeintlichen Bonzen verdrängt wird, noch der berühmte "Häuslbauer“ auf dem Land, der wirklich noch vom geförderten Wohnbaukredit profitiert.

Nein, hier verzweifeln junge Menschen, die in eine Universitätsstadt ziehen wollen, und urban gesinnte Jungfamilien, die mehr Platz für ihre Kinder brauchen, sich aber nicht in den Speckgürtel abdrängen lassen wollen. Bei der Wohnraumsuche konkurrieren sie plötzlich mit Immobilienfondsmanagern um die wenigen freien Objekte. Heute in Wien eine gut gelegene Familienwohnung zu kaufen oder zu mieten ist nur Erben möglich.

Diese Stadtbewohner im Zuge der Spätfolgen der Finanzkrise nicht zu verlieren ist eine der größten gesellschaftspolitischen Herausforderungen der Gegenwart. Deshalb werden SPÖ und ÖVP nicht darum herumkommen, über eine Preisbremse bei überbordenden Mieten zu diskutieren. Wenn es ihnen wirklich um leistbares Wohnen geht, nicht nur um Wahlkampf-Fassaden.


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