Kolumne  Außenpolitik

Der autoritäre Nachbar: Ungarn riskiert seine junge Demokratie

Falter & Meinung | Franz Kössler | aus FALTER 12/13 vom 20.03.2013

Imre Kertész, der ungarische Literaturnobelpreisträger, überlebte als Jugendlicher die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Seit zehn Jahren lebt Kertész jetzt in Deutschland. Sein persönliches Archiv hat er nicht seinem Heimatland, sondern der Berliner Akademie der Künste vermacht. Die Lage in Ungarn, sagte er in einem Interview mit der Welt, habe sich stetig verschlechtert. "Rechtsextreme und Antisemiten haben das Sagen“, konstatierte Kertész, "die alten Laster der Ungarn, ihre Verlogenheit und ihr Hang zum Verdrängen, gedeihen wie eh und je.“

Der autoritäre Reichsverweser der Zwischenkriegszeit, Miklós Horthy, ein Partner Mussolinis und Hitlers, wird zum nationalen Vorbild erhoben. Imre Kertész’ Werke wurden aus dem Schulprogramm gestrichen. Dafür stehen der antisemitische Dichter Albert Wass und der Pfeilkreuzler-Ideologe József Nyírö neu auf der Bücherliste. Ihnen werden Straßen und Denkmäler gewidmet. Unter Studenten, der künftigen Elite des Landes,


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