Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

In der Hofburg stahlen der Papst und ein Grüner der Wiener ÖVP die Show

Politik | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 12/13 vom 20.03.2013

Mittwoch, 19.10 Uhr in der Nationalbibliothek: Die Präsentation des "Österreichischen Jahrbuch für Politik“, das die ÖVP-Akademie alljährlich stolz abfeiert, hat noch nicht begonnen, da erhebt sich Herausgeber und ÖVP-Grande Andreas Khol von der ersten Reihe und schreit glückselig ins Publikum: "Weißer Rauch!“ "Wer?“, schallt es zurück. "Wissen wir noch nicht!“, ruft Khol und setzt sich.

19.15 Uhr, die Veranstaltung beginnt. Noch bevor Khol am Rednerpult sein Buch bewirbt, für das Autoren aller politischen Farben geschrieben haben, sagt er: "Wenn einer den Namen des Papstes erfährt, kann er mich gern unterbrechen!“ Die Zuhörer schauen gebannt auf ihre Handys.

Auf Khols Auftritt folgt eine Diskussion über die rot-grüne Stadtregierung. Wiens VP-Chef Manfred Juraczka, der ÖVP-nahe Meinungsforscher Rudolf Bretschneider und Presse-Chefredakteur Rainer Nowak schießen sich auf den grünen Gemeinderat Christoph Chorherr ein; der schießt zurück. Einen ganzen Abend lang wird auf der ÖVP-Veranstaltung nicht über ÖVP-Politik diskutiert, sondern über die Grünen. Mitten in der Diskussion erhebt sich Khol und ruft: "Franziskus I.“ Presse-Chef Nowak verabschiedet sich vorzeitig. Er will den neuen Papst aufs Titelblatt heben.


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