Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Orte des Widerstands: wo Bürger gegen Abschiebungen protestieren

Politik | Nina Horaczek | aus FALTER 12/13 vom 20.03.2013

Lauter Stecknadelknöpfe, von Frastanz in Vorarlberg bis ins Burgenland. Jede der 110 Nadeln in der virtuellen Karte des Projekts "Mapping Protest“ steht für einen Protest von Bürgern gegen die Abschiebung eines abgelehnten Asylwerbers.

Sieglinde Rosenberger, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Wien, hat gemeinsam mit dem Projektmitarbeiter Jakob Winkler anhand von Medienberichten untersucht, wo in den Jahren 2006 bis 2012 Proteste gegen Abschiebungen stattfanden, wer protestierte und ob die Betroffenen aufgrund der Proteste in Österreich bleiben durften oder doch abgeschoben wurden.

Die Landkarte des Widerstands ist unter http://inex.univie.ac.at/mapping-protest abrufbar. Die Forscher kamen zu spannenden Ergebnissen: "Widerstand aus der Bevölkerung gab es vor allem dort, wo Kinder betroffen waren, während für Einzelpersonen deutlich weniger protestiert wurde“, sagt Rosenberger. Denn durch Kindergarten- oder Schulbesuch können die Familien stärker soziale Beziehungen zu ihrer neuen Umgebung aufbauen. Meist seien es Lehrer, Klassenkollegen, der Sportverein oder die Pfarre, die sich für die Abzuschiebenden einsetzen.

Der Widerstand scheint sich auszuzahlen. Die Hälfte der Personen, für die sich Bürger engagierten, durfte in Österreich bleiben. In 29 Prozent der Fälle ist der Ausgang noch unklar und 21 Prozent wurden trotzdem abgeschoben.

Ein wichtiges Zentrum des Protests gegen Abschiebungen ist Oberösterreich, erklärt Rosenberger. "Weil dort der Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylwerber viel länger offen war als in anderen Bundesländern“, sagt die Politologin. Dadurch konnten Asylwerber leichter Beziehungen zu Österreichern aufbauen.

Keinen Zusammenhang fanden die Wissenschaftler hingegen zwischen dem Wahlerfolg der FPÖ und Antiabschiebungsprotesten. "In Gemeinden, in denen die FPÖ sehr stark ist, stiegen die Bürger genauso auf die Barrikaden wie in Gemeinden, in denen die Freiheitlichen in der Minderheit sind“, sagt Rosenberger.


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