Stadtrand Urbanismuskolumne

Der Donaukanal ist das Häusl der Stadt

Stadtleben | aus FALTER 12/13 vom 20.03.2013

Die verbauten Ufer des Donaukanals sind so etwas wie die surrealistische Unterseite der Stadt. Hier steht der Musikclub Flex in Gestalt einer unförmigen Baracke. Etwas weiter flussabwärts ankert auf dem Wasser die Ruine des abgebrannten Partyschiffs Buho Verde. Die Mauern sind mit Graffiti bedeckt, die in raschem Takt wechseln. Zwischen Urania und Friedensbrücke ist erlaubt, was vom magistratischen Über-Ich ansonsten verboten ist. Der Donaukanal ist das Schulklo der Stadt.

In den Wintermonaten wird die Gegend noch mehr zur Kulisse eines düsteren Zukunftsfilms. Der im Sommer aufgehäufte Sand verwandelt sich in ein Hundeklo. Die Holzböden der Lokalterrassen faulen vor sich hin, Bauzäune riegeln den Tel Aviv Beach ab, der mit seinen weißen Häusern an die Bauhaus-Architektur in Israel erinnern soll. Während der Winterpause bekommt man einen Eindruck davon, wie die Einwohner des von der Wirtschaftskrise gebeutelten Detroit ihre Stadt wahrnehmen. Wer von einem Spaziergang am Donaukanal zurückkommt, denkt sich: Uns geht’s aber gut!

Matthias Dusini macht sich Gedanken über den Donaukanal


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