Logbuch

Darf ich jetzt bitte weiterschlafen?

Kolumnen | Doris Knecht   | aus FALTER 12/13 vom 20.03.2013

12.3.2013, 00:01 Der Klotz am Bein nervt unheimlich und wird in Leipzig bei der Buchmesse noch viel mehr nerven. Er defokussiert auch sehr, wenn man zum Beispiel im Fernsehen sitzt und über sein neues Buch reden möchte, aber der Gipshaxen lenkt alle Blicke und Fragen auf sich. Er führt allerdings auch dazu, dass schon wieder alle Menschen unheimlich nett zu mir sind, diesmal im ORF. Das Studio, das im Fernsehen aussieht wie ein lichter Pavillon in einem sommerlichen Garten, befindet sich übrigens in Wirklichkeit in der Tiefgarage des Küniglbergs.

13.3.2013, 10:20 "wenn sie wieder einmal im fernsehen / zu sehen sind dann verwenden sie doch / eine haarspange denn es kommt wirklich / nicht gut rüber wenn sie sich dauernd / über das gesicht wischen!! ligr, h. sch.“ Der Poet lebt in Vorarlberg; ich bin gänzlich unüberrascht. Leser-TV-Kritik 2: "Qualitätsnachweis einer Journalistin: ? mache den Job wahnsinnig gerne. Für mich ist dieser Ausspruch ein Spiegelbild der Qualität unseres Journalismus. LEIDER. Deutsch ist nicht ihre Stärke.“

14.3.2013, 03:03 Nicht die ideale Zeit, um aufzuwachen, wenn man weiß, dass der Wecker um 4.20 Uhr klingeln wird. Zehnminütiger Versuch, wieder einzuschlafen, dann Resignation. Aufstehen, Kaffee trinken, duschen, Haare waschen, die Kleiderwahl überdenken und im dunklen Schlafzimmer möglichst leise Alternativen zusammenhumpeln.

18:21 Ein Mimi ruft an, während man im Leipziger Hotelzimmer gerade dabei ist, sich herzurichten, es heult, es fühle sich nicht so gut, es fühle sich krank, warum ich nicht da sei, könne ich nicht heimkommen? Leider, ich bin 1000 Kilometer entfernt, ist ja eh der Papa da. Es ist schwierig, sich die Lippen anzumalen, während man ein schluchzendes Kind tröstet und ihm vorsichtig zu verklickern versucht, dass man um halb acht eine Lesung hat, die man ungern versäumte. Das Kind schluchzt lauter, alles ist immer wichtiger als es selbst. Heiliger.

19:45 Als man endlich die richtige Adresse erhumpelt hat, stellt man fest, dass die Lesung schon ohne einen angefangen hat. Eine freundliche Dame liest gerade die Sexszene. Schön. Die Leipzigerinnen sind aber nett und verzeihen das Zuspätkommen großzügig.

15.3.2013, 07:03 Das Mimi ruft an und fragt, ob es sich diese dünne weiße Bluse ausborgen darf. Ja, darf ich jetzt weiterschlafen? Es ist wieder gesund, dafür fiebert jetzt das andere.

10:20 Die Kellnerin in der Büffelleder-Lounge des juvenil-schicken Hotels erklärt, dass es Frühstück nur bis zehn gab. Gut, damit hat man eh schon gerechnet: Dann bitte ein Sandwich. Tut ihr leid, aber Essen gibt’s erst wieder ab zwölf Uhr. Es gibt gar nichts zu essen? Leider. Man kriegt Leipzig aus der DDR raus, aber die DDR nicht aus Leipzig. Dann halt Flammkuchen auf der Buchmesse, auch gut.

Doris Knechts neuer Roman "Besser“ ist soeben bei Rowohlt Berlin erschienen und wird am 21.3. im Rabenhof mit Ursula Strauss, Ingo Pertramer und DJ Christopher Just präsentiert


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