Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Ausgerutscht

Kolumnen | Heidi List   | aus FALTER 12/13 vom 20.03.2013

Es gibt ihn, diesen day-changing moment aus dem Film. Meine Freundin X rast in Wien über den Graben, eh schon bepackt mit Supermarktsackerln, weil sie noch was Unnötiges abholen muss für ihren Lebensgefährten aus einem Schnöselspezialgeschäft, worüber sie natürlich schäumt, weil sie es eh so eilig hat. Und dann stolpert sie und fällt hin, alles liegt am Boden, rollt aus den Sackerln. Da streckt sich eine hilfreiche, attraktive, fremde, also geile Männerhand nach ihr aus und hilft ihr hoch und einsammeln.

Sie sieht sich den Herrn genauer an. Er gefällt ihr. Sie schmeißt alles über den Haufen und geht mit ihm ins Hotel. Sie vögeln durch bis zum Abend. Sie macht das, was sie früher immer gemacht hat, als sie noch frei von langer Beziehung und sonstiger Verantwortung war. Sie lässt sich gehen.

Bis Punkt 18 Uhr, dann geht sie heim und nimmt ihr Leben wieder auf. Also gibt’s das wirklich. X ist heute selber ganz baff. Als wäre da jemand anderer mit ihr durchgegangen. Eine erstrebenswerte Form der Schizophrenie. Werde morgen unauffällig mit zwei Sackerln am Graben rumhängen.


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