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Krawalli

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 12/13 vom 20.03.2013

Roberto Cavalli also. Nein, nein, wir wollen hier nicht schon wieder alles miesmachen. Und tatsächlich halten wir die Modenschau längst nicht mehr für das allerwichtigste Ding beim Life Ball. Aber wenn das Italo-Label zeitgleich mit der Aids-Charity auf dem Rathausplatz in der Wiener Innenstadt eine Boutique aufsperrt - dann sollen sie doch auch ein paar Leute in Animalprint über den Red-Ribbon-Catwalk rennen lassen, das ist sicher gut fürs Geschäft. Und für den Life Ball auch. Außerdem engagiert sich Signore Cavalli seit langem für den Kampf gegen Aids, wie uns Life-Ball-Organisator Gery Keszler erzählte. Plus: Cavalli war schon 2001 beim ersten Ball mit einer Modenschau vertreten. Dass es am 25. Mai um einiges bombastischer vonstattengehen wird, damit kann man allerdings jetzt schon rechnen. Wir bügeln schon einmal unsere getigerten Hemden.

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Das haben wir letzte Woche vergessen zu berichten: Donaufestival ist. Also der Grund für sehr viele Wien-Menschen, im Frühling die Stadt zu verlassen und nach Krems zu reisen. Festivaldirektor Tomas Zierhofer-Kin hat im Völkerkundemuseum gemeinsam mit der Kuratorin Gabrielle Cram das Programm präsentiert, das heuer überraschend wenig bis gar keinen Indiepop in die Perle der Wachau spült, dafür allerhand anderes spannendes Zeug. Unter dem humorigen Festivaltitel "Krèms brûlée“. Ganz besonders rührig: Hans Peter Litschers Spurensuche "Operation Otto Retter“ über einen Exil-Kremser, der sich aus der Ferne ganz besonders für die Queer- und Transgenderprojekte des Festivals eingesetzt haben soll. Ebenfalls toll: Tino Sehgal in der Kunsthalle. Noch ein Grund, die Donau hinaufzufahren.

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Währenddessen hat man aus dem Semperdepot wieder das Homedepot gemacht, sprich: Das Atelierhaus wurde mit allerhand Designermöbeln und anderem Begehrenswerten vollgeräumt. Zur Eröffnung der Chicmesse gab es natürlich auch Prominente wie die Herausgeberin des veranstaltenden Magazins H.O.M.E., Desirée Treichl-Stürgkh, Mak-Direktor Christoph Thun-Hohenstein oder den smarten Fadi Merza, Kickboxer auf allen Gesellschaftssuppen. Und was macht man auf so einer Eröffnung? Auf den Möbeln herumsitzen natürlich.

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Kaum waren die Fotografen weg und die Fernsehkameras abgebaut, verschwanden auch schon Wirtschaftskammerpräsidentin und Bürgermeister im Warmen. So eine Schanigartensaisoneröffnung mit Brigitte Jank und Michael Häupl kann, das wurde vergangene Woche einmal mehr klar, auch ganz schön eisig ausfallen. Am nächsten Tag lag dann gar Schnee im Schanigarten von Cafetier Markus Muliar, vor dessen Café Markusplatz auf der Tuchlauben die ganze Eröffnungssause vonstattenging.

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Wieso lassen sich D-Prominente zu solchen Aussagen hinreißen: "Eigentlich bin ich kein klassischer Biertrinker, darum finde ich Almradler umso besser“? Gibt es dafür Geld, oder ist das die Dankbarkeit dafür, dass man zu Megaevents wie der Präsentation eines neues Biermischgetränks eingeladen wird? Jedenfalls kam der Modeblogger Adi Weiss ebenso zum Launch in den Volksgarten wie die Promi-Society-Lady mit dem Kopftuch, der Promi-Stylist mit den gezupften Augenbrauen, der Promi-Schönheitschirurg mit der problematischen Ex-Promi-Frau oder der Promi-Holger, den man stets im Zusammenhang mit einem Promi-Dragqueen-Namen zu nennen pflegt. Für einen Radler! Und woanders wählen sie einen neuen Papst. Wir sind dann mal weg. Mit dem Papamobil.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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