Film  Neu im Kino

Eine polnische Reise: "Maria muss packen“

Lexikon | Ludmilla Dittrich | aus FALTER 12/13 vom 20.03.2013

Eksmisja“ lautet der Originaltitel von Filip Antoni Malinowskis Dokumentarfilm "Maria muss packen“. Maria ist die 81-jährige Großmutter des Regisseurs. Packen muss sie unfreiwillig. Nach 66 Jahren fällt die Wohnung, in der sie gemeinsam mit ihrem Mann Tadeusz lebt, der Profitgier von Eigentümern und dem polnischen Mietrecht zum Opfer. Der Kampf um den Erhalt des schützenden Zuhauses wird zum intimen, mikrohistorischen Einblick in das Leben der unerschütterlichen Optimistin Maria und des "Schwarzsehers“ Tadeusz.

Als eine Art Chronist der Familiengeschichte führt uns der Enkel in die Vergangenheit der beiden Protagonisten, deren Lebensansichten von Kriegstraumata und dem Eisernen Vorhang geprägt sind. In der Bildsprache schafft es Malinowski, die Tragweite der Zusammenhänge zu verdichten - so konzentriert sich die ortsgebundene Erinnerung des Privaten und des großen Ganzen in einem Bild, wenn alte Fotografien auf Omas Häkeldeckchen präsentiert werden. Außerdem lässt er uns an der alltäglichen Gegenwart teilhaben. Botanische Erkenntnisse über das egoistische Wesen des Klees gehören dabei ebenso dazu wie Arzttermine, Anwaltsgespräche oder Kleinwagen-Cruisen mit Maria, die laut Selbstbeschreibung gleichermaßen Greisin, Gärtnerin und Rennfahrerin ist. Jung im Geiste sei sie außerdem und immer zuversichtlich, so erkennt sie als Kunst des Lebens, "nicht die großen Dinge zu wollen, sondern die kleinen zu sehen“.

Die Stärke des Films liegt in der persönlichen Nähe des Regisseurs zu seinen Großeltern und zu dem Ort, an dem dieser seine frühe Kindheit verbracht hat. Gleichzeitig werden universell gültige Fragen aufgeworfen, die das Älterwerden, die Gerechtigkeit und die Empathie in Zeiten skrupelloser Gewinnmaximierung verhandeln.

Ab Fr im Top-Kino (OmU) - Premiere mit Publikumsgespräch am Fr 20.00


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