Film  Neu im Kino

"Spring Breakers“: Bling-Poesie mit Disney-Starlets

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 12/13 vom 20.03.2013

Der Lehrer erzählt von der Bürgerrechtsbewegung, but girls just wanna have fun. Mit der Beute eines Überfalls machen sich Brit, Candy, Cotty und Faith auf Richtung Florida, wo alljährlich tausende "Spring Breakers“ ein Alk-, Drogen-, und Sex-Bacchanal feiern. Die vier alltagsfrustrierten Studentinnen nimmt bald ein Gangster unter seine Fittiche, den James Franco (großartig) abermals als zwielichtigen Zauberer von Oz spielt.

Harmony Korine entwirft in seinen Regiearbeiten von jeher entgrenzte Parallelwelten. Zuletzt machte sein räudiges Kaputtnik-Traktat "Trash Humpers“ (2009) aber auch sinnfällig, wie heruntergewirtschaftet das utopische Versprechen alter Transgressionsgesten inzwischen ist. Mit "Spring Breakers“ verlegt Korine seinen Sandkasten jetzt konsequenterweise mitten ins Herz der Konsumgesellschaft: Im Florida des Spring Break ist der Exzess systemkonform.

Dementsprechend stellen auch Korines bunte Bilder die streng normierte, unverhohlen sexistische Hedonismus-Ästhetik von Hip-Hop-Bling-Bling und "Girls Gone Wild“-Spannervideos nach. (Jede aus dem Bikini hängende Brust kriegt ihre Zeitlupe, aber kein Schamhaar in Sicht.) Zum Zeichenvorrat, an dem sich "Spring Breakers“ austobt, gehören außerdem die Disney-Starlets Selena Gomez und Vanessa Hudgens in Hauptrollen und Filmmusik von Electro-Nervensäge Skrillex. Diese popkulturellen Oberflächen dekonstruiert Korine weniger, als dass er sie versonnen hin und her dreht. Seine zerdehnten Montageschleifen lassen im Rausch nicht nur den Kater spüren, sondern auch ein Interesse daran, was sich an Lebenserfahrung aus den Posen und Floskeln bergen lässt. Höhepunkt: eine Britney-Spears-Interpretation, deren Anmut Köpfe zum Explodieren bringen kann.

Ab Fr im Kino (OF im Artis, OmU im Votiv)


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