"Silbern“: Moszkowicz-Doku von Ronnie Herbolzheimer im Römersteinbruch

Lexikon | Kritik: Hermann Götz | aus FALTER 12/13 vom 20.03.2013

Der sogenannte "Römersteinbruch“ in Aflenz an der Sulm ist eine unterirdische Anlage, die deutlich an ihre jüngere Geschichte erinnert: 1944 und 1945 befand sich hier eine Außenstelle des KZ Mauthausen. Geschützt vor der alliierten Luftwaffe wurden in den Stollen Waffen produziert. Lange hat man das verschwiegen, heute wehrt sich ein von Helmut und Johanna Kandl zum Mahnmal gemachtes "Wächterhaus“ gegen das Vergessen. Für "Silbern … der grauende Morgen“ (Fr 10.00, 19.00) bildet der "Römersteinbruch“ einen idealen Aufführungsort - historisch wie atmosphärisch. Der Musiker, Song- und Theatertexter Ronnie Herbolzheimer hat die Lebensgeschichten des KZ-Überlebenden Imo Moszkowicz und seiner Frau Renate, Tochter des lange in der Gegend ansässigen steirischen NS-Gauhauptmanns Armin Dadieu, zu einem lehrreichen Doku-Drama verbunden: Imo und Renate lernen sich in Argentinien kennen, sein Vater ist vor den Nazis dorthin geflüchtet, ihrer vor der Entnazifizierung. Moszkowicz, Sohn jüdischer Analphabeten, wird ein gefeierter Theater- und Filmregisseur, sein Schwiegervater, Kriegsverbrecher und genialer Chemiker, kehrt bereits in den 1950ern nach Deutschland zurück - um unter anderem bei der Entwicklung ägyptischer Raketen gegen Israel zu helfen. Bei "Silbern“ wirken auch Musiker und Laien als Darsteller, Regisseur Johannes Schrettle und die Schauspieler der "zweiten liga für kunst und kultur“ finden schöne theatralische Lösungen für den Text. Dass die virtuosen Gestalter postdramatischer Versuchsanordnungen bei der Umsetzung konventionellen Theaters wenig Erfahrung haben, ist allerdings auch zu merken.


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