Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Happel & Jandl

Falter & Meinung | aus FALTER 13/13 vom 27.03.2013

Die Titelgeschichte des Falter war der Band Attwenger gewidmet. Hymnengleich geschrieben hat sie Chris Duller, der in einem darunter stehenden Kästchen gleich auch den Auftritt von Christoph Kurzmann und Harald Waiglein lobte; der Zweite ist bekanntlich mittlerweile nicht mehr Rocksänger, sondern Österreichs Vertreter beim Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Das rockt auch, aber anders.

Zurück zu Attwenger. Duller beschrieb, wie es war, als er zum ersten Mal Attwenger hörte: "Es war wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel. Da spielten zwei Leute, einer am Schlagwerk, einer an der Ziehharmonika, und sangen gemeinsam Lieder, die sich auf originäre österreichische Volksmusik bezogen, als wäre dies die natürlichste Sache der Welt. Mit einer Chuzpe, die sich nicht nur in den verschlagenen Inhalten der Gstanzln, sondern auch im musikalischen Antipurismus äußerte. Und dennoch war mir klar, dass Attwenger der volksmusikalischen Überlieferung alle Ehre erweisen, sich keineswegs ironisch von ihr distanzieren wollten.

Es war neu, es war unerhört, und es war gut. Und es war kein Wunder, dass Attwenger rasch einen Bekanntheitsgrad erlangten, der bis heute im Steigen befindlich ist. Wenn man unbedingt ein Etikett für das Duo braucht, dann plädiere ich für, schamlose Volksmusik‘.

(…) Auch Ernst Jandl weiß ihre sprachliche Fertigkeit zu schätzen und nennt Attwenger als Hauptinspirationsquelle seines letzten Werks, stanzen‘. Einmal wurden Falkner und Binder (die beiden Attwenger, Red.) gedrängt, mit ihm gemeinsam aufzutreten, was sie für einen, Bledsinn‘ hielten. Jandl sah das Konzert und gab ihnen nachträglich Recht.

Für den größten österreichischen Sprachkünstler halten Attwenger aber einen ganz anderen - Ernst Happel., Der hat Sätze formuliert‘, sagt Binder,, die hat der Jandl no ned zsammbracht. Sprachlich prägnanter, präziser, schärfer.‘“ Die beiden fuhren nach Wien zu Happels Begräbnis: "Da waren außer uns wenige kulturelle Vertreter. Also, eigentlich gar kane.“ AT


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