Wieder gelesen 

Politik | aus FALTER 13/13 vom 27.03.2013

Bücher, entstaubt

Gefangen in der Provinz

Das Chaos, das der geplante Zugriff auf die Bankguthaben in Zypern ausgelöst hat, zeigt das Unvermögen deutscher Europapolitik. Die Bundesrepublik, ein ökonomischer Riese und ein politischer Zwerg, schafft es nicht, ihre übergroße Vormachtstellung in Europa zugunsten einer Befriedung des Kontinents einzusetzen. Wie sonst ist es zu erklären, dass ein (im Vergleich zur Griechenland-Hilfe) lächerliches 17-Milliarden-Euro-Hilfspaket für Zypern die Union an den Rand des Abgrunds gebracht hat?

Der Publizist Karl Heinz Bohrer veröffentlichte 2011 im Merkur eine schonungslose Abrechnung mit der deutschen Außenpolitik. Der Titel "Projekt Kleinstaat“ ist Programm: Deutschland, schreibt Bohrer, suhle sich im Provinzialismus. Heinrich Heine zitierend heißt es: Der Deutsche gehe jeder bedeutenden politischen Frage so lange aus dem Wege, bis sich die offenen Fragen zu jenem Knäuel verwickeln würden, der am Ende vielleicht nur noch durch das Schwert gelöst werden könne. Die Zypern-Krise steht im Zeichen dieser gewagten These: Deutschland schaute zu, wie die zypriotische Regierung mit ihrem Griff nach dem Geld kleiner Leute die EU fast ins Taumeln brachte. wolfgang zwander

Karl Heinz Bohrer: Projekt Kleinstaat. In: Merkur, Heft 8/2011, Klett-Cotta, 9 S., € 12


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige