Mediaforschung Verführungskolumne

Wieso rockt Falco mit Meinl das Kaffeehaus, Herr Demner?

Medien | aus FALTER 13/13 vom 27.03.2013

Der Falke ist wieder da. Für die Kaffeemarke Julius Meinl sitzt die 1997 verstorbene Musiklegende Falco in einer Fantasieuniform im Kaffeehaus. Kaum trinkt er Meinl-Kaffee, verwandelt sich das Traditionscafé in eine bizarre Welt mit Frauen in Rokokoperücken, die mit Bikern schäkern. An den Wänden taucht plötzlich Handschrift auf, ein Mann geht mit Discokugel auf dem Kopf herum.

Kaum setzt das Falco-Double die Tasse ab, ist der Traum wieder vorbei und aus flirtenden Hofdamen werden wieder brave Seniorinnen und die Discokugel wird zum Fahrradhelm.

"Einwort-Strategie“ nennt die Werbewelt das, was die Agentur Demner, Merlicek & Bergmann mit der Wiener Kaffeemarke Julius Meinl macht: Die Konzentration der Werbelinie auf ein einziges Wort.

"Poetry“ ist jenes, das sich die Werber für den Wiener Traditionskaffee ausgesucht haben. "Meinl ist seit 1862 mit der Wiener Kaffeehausliteratur von Anton Kuh bis Joseph Roth verbunden“, sagt Agenturgründer Mariusz Jan Demner.

Die Poetry-Positionierung, an der der Werbestratege Michael Conrad und das Demner, Merlicek & Bergmann-Team zwei Jahre arbeiteten, möchte auch auf www.poetrycafe.at die Poesie des Kaffeehauses wiederbeleben.

Für Neo-Kaffeehausliteraten hat Meinl einen Literaturwettbewerb, der Sieger erhält ein einjähriges Stipendium. Zusammengestellt wird die Jury vom Schriftsteller Robert Menasse. Dessen Großvater arbeitete nämlich einst bei Arabia Kaffee, und die gehört heute - erraten - Julius Meinl.

nina horaczek


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige