Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 13/13 vom 27.03.2013

Fernsehkritiker sind in ihrem Urteil milder als die Kollegen von der Filmkritik. Zu dieser Einschätzung konnte kommen, wer die Rezensionen des Dreiteilers "Unsere Mütter, unsere Väter“ (ORF 2) las. Die TV-Journalisten fanden die Geschichte von fünf Berliner Jugendlichen, die in die Schrecken der Nazizeit stolpern, fast durchwegs gelungen. Dann hoben die Filmkritiker das Beil und hackten die Fernsehproduktion in Stücke: Von einer Verharmlosung der NS-Verbrechen war die Rede, einer verwerflichen Reinwaschung der Tätergeneration.

Vielleicht liegt die unterschiedliche Bewertung daran, dass wir TV-Schlampen moralisch nicht so gefestigt sind wie die Arthouse-Priester. Zu viele Verliebt-in-den-Führer-Dokus und Castingshows haben unsere Birne matschig gemacht. Läuft eine Claude-Lanzmann-Doku, schaltet unsereins auf "Saturday Night Fever“ um. Niemand tippt uns auf die Schulter, wenn die Chips krachen. Unser Motto lautet: Alles sofort vergessen! F


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige