Enthusiasmuskolumne Diesmal: der beste Serienheld der Welt der Woche

Eine Schildkröte aus Granit mit Lederjacke

Feuilleton | aus FALTER 13/13 vom 27.03.2013

Vergangenen Freitag konnte man Zeuge eines historischen Medienereignisses werden und den letzten Fall der Krimiserie "Ein Fall für zwei“ verfolgen, die nach 300 Folgen und 32 Jahren zu Ende ging.

In so unberechenbaren Zeiten, in denen selbst auf den "Tatort“ kein Verlass mehr ist - Münster veralbert, Kiel schwächelt und Devid Striesows Start war ein veritabler Rohrkrepierer -, waren Privatermittler Josef Matula und seine vier Chefs, die Anwälte Dr. Renz, Dr. Franck, Dr. Voss und Dr. Lessing, Garanten der Solidität: keine Kunst, keine Zierleisten, keine faulen Witze, keine Amouren. Aller Stuck des Lebens war abgeschlagen. Skelettiert standen die Protagonisten in den Kulissen herum wie die Menschen in Fassbinder-Filmen, Fälle wurden nicht gelöst, sondern abgewickelt, und Matulas Dienstwagen war ein Alfa Romeo.

Die Imitation des Lebens hat sich selbst imitiert, nie war Fernsehen näher am Brecht’schen V-Effekt, an Reduktion und Stillstand, das war die große Leistung der Serie, ihre in Granit gemeißelte Konstanz. Matulas Haare waren immer schon dünn, sein Gesicht immer schon so knittrig wie das einer Schildkröte, und seine Lederjacke war sein Panzer.

Matulas letzter Fall glich in seiner dramatischen Drastik dem genreprägenden Splatterfilm "Saw“. Am Ende standen Matula und Dr. Lessing brusttief in flüssigem Zement, und der Anwalt meinte lakonisch: "Wenn ich hier rauskomme, züchte ich Rinder in Argentinien.“

Sie kamen raus, und Matula ging weinend über eine Brücke, und die Band Superpunk sang dazu: "Sie haben keine Beweise / Doch der Stab wurde längst gebrochen / Matula bitte hau mich raus / Es wurde mir versprochen.“ Das war kein Ende in Zement, das war ein offenes Ende. Matula, komm wieder! TEX RUBINOWITZ


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