Buch der Stunde

Sympathie mit den Bergvölkern des Kaukasus

Feuilleton | aus FALTER 13/13 vom 27.03.2013

In "Krieg und Frieden“ gewinnt der greise Oberbefehlshaber der russischen Armee, Kutusow, den Krieg gegen Napoleon durch ständigen Rückzug. Aber dann gibt es noch jene großartige Szene, in der Pierre Besuchow auf dem Schlachtfeld seine Brille verliert und nach ihr tastet. Die Sinnlosigkeit des Krieges, die alle poetische Begeisterung für ihn zunichte macht, gehört zu den großen Themen von Lew Tolstoj (1828-1910). Aber er wäre nicht der große Romancier von Weltformat, wenn das plastische Detail nicht immer Vorrang vor der Moral hätte.

Das ist auch in seinem letzten Roman so: Von "Hadschi Murat“ stellte Tolstoj zwischen 1896 und 1904 (also in jener Zeit, als sein Moralaposteltum den Gipfel erreichte und er sogar versuchte, seine eigene Schreiblust in Ketten zu legen) zehn Fassungen her, von denen die letzte Romanlänge erreicht. Nach Moralinsäure riecht es darin aber an keiner Stelle. Hier glänzen die Bärte und Dolche, und das Interesse und die Sympathien des Autors gehören


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige