Der Stand der Dinge

Stadtleben | Bericht: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 13/13 vom 27.03.2013

125 Wiener Würstelstände hat der Fotograf Stefan Oláh abgebildet. 95 davon gibt es nun in einem Buch zu sehen

Stefan Oláh war eben unter dem Dunkeltuch seiner Großbildkamera verschwunden, um den Würstelstand beim Prater zu fotografieren, da sah er auf dem Sucher, wie sich ein Polizeiauto näherte. "Na typisch, jetzt wo die Heh kommt, versteckt er sich“, hörte der Fotograf eine Stimme neben sich. Der Streifenwagen verschwand, Oláh fotografierte und kroch schließlich unter dem schwarzen Tuch hervor. "Jetzt traut er sich wieder hervor“, sagte die Frau, die ihn beobachtete. Natürlich hatte Stefan Oláh nichts Verbotenes getan, sondern nur seine Arbeit: Wiener Würstelstände dokumentieren.

Die Würstelstände sind das jüngste Projekt des Fotografen, der seit Jahren die Stadt vor der Kamera hat und auch schon Wiener Tankstellen, Stadtbahnbögen oder 50er-Jahre-Architektur dokumentierte. 125 Stände hat Oláh in zwei Jahren fotografiert, 95 haben es in ein Buch geschafft, das er gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Sebastian Hackenschmidt gemacht hat und das diese Woche erscheint.

Oláh achtete darauf, dass es tatsächlich nur um die Wurst ging. Kebab- und andere Imbissstände kamen als Motiv nicht in Frage. Auch ging es ihm nicht um Wurstesser oder -verkäufer; wobei er hier den Unterschied zwischen dem Stolz der Besitzer, dass ihr Stand fotografiert wird, und der Skepsis der Angestellten, dass jemand fotografieren will, sehr interessant fand. Aber dem Fotografen war die - oftmals provisorische, manchmal protzige - Architektur wichtig: der Würstelstand als charakteristischer Bestandteil des Stadtbilds. Ganz ohne Nostalgie. F


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