Menschen

Betten, Spaß …?

Falters Zoo | aus FALTER 13/13 vom 27.03.2013

Oh, wie nett: Der Fernsehjournalist Ed Moschitz bekam Geld von der FPÖ. Indirekt. Die FPÖ-nahe Internetzeitung Unzensuriert hatte Herrn Moschitz übel nachgeredet und wurde zur Zahlung von 2000 Euro verurteilt. Und was macht Moschitz mit dem schönen Geld? Er spendet es Ute Bock und deren Flüchtlingshilfe-Projekt. Frau Bock wird das FPÖ-Geld zur Finanzierung von Deutschkursen verwenden.

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Ein schönes Bild, wenn ältere Herren in Joy-Division-T-Shirts mit glänzenden Augen vor der Bühne im Flex Pogo tanzen und dabei unschön junge Menschen anrempeln, die ihre Kinder sein könnten. Doch nicht nur im Publikum ging es generationenübergreifend zu, als Peter Hook von der britischen Düsterpop-Legende Joy Division am Samstag in Wien gastierte, um alte Lieder mit neuer Band zu spielen. Weil Mr. Hook offenbar nicht gleichzeitig Bass spielen und singen kann, hatte er seinen Sohn für die Arbeit an der Viersaitigen dabei. Singen kann Hook zwar auch nicht, aber das tat der Freude keinen Abbruch. Ein schöner Nostalgieabend!

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Während alte Joy-Division-Hadern durchs Flex dröhnten, spielten Depeche Mode in der Wiener Stadthalle. Okay, nicht wirklich, sie waren halt einer der Showacts bei "Wetten, dass …?“. Tags drauf gab es dann auch einen echten Auftritt: Im exklusiven Rahmen eines "Album Launch Events“ in der Halle E im Museumsquartier stellten die britischen Elektropopper um Martin Gore und Dave Gahan mit einem Kurzset ihr tolles neues Album "Delta Machine“ vor (siehe Seite 34); unter anderem bejubelt von der Wiener Techno-Prominenz Patrick Pulsinger, Peter Kruder und Wolfram.

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Apropos "Wetten, dass …?“: Die kleine ZDF-Unterhaltungsshow aus Mainz hielt unser liebes Städtchen eine Woche lang ganz schön auf Trab. Einerseits musste aus der Stadthalle ein modernes Fernsehstudio gemacht werden, andererseits ist eine Harlem-Shake-Stadtwette echt unterirdisch. Trotzdem wollte man Markus Lanz, dem neuen Moderator der Sendung, schmeicheln. Weshalb der smarte Südtiroler für seine Verdienste um die Stadt Wien den Rathausmann überreicht bekam. Womit er das verdient habe, wisse er allerdings selbst nicht, meinte Lanz im Vorfeld. Immerhin habe er in Wien "ein paar schöne Situationen“ gehabt. Unter anderem stand er als junger Mensch mal im 80er-Jahre-Club U4 mit Falco-Darsteller Hans Hölzel an der Pinkelrinne. Trotzdem werde der Rathausmann keinen Ehrenplatz auf seinem Klo bekommen. Wieso nicht? "Klo ist immer so pseudo“, findet Lanz.

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Wieso saß eigentlich nicht Nicole Kidman bei Lanz auf dem intern "Pudding“ genannten fahrbaren "Wetten dass …?“-Sofa? Weil sie nichts zu promoten hatte. Und dann kommen die Stars nicht. Dafür war der Hollywoodstar so in Wien, um Reklame für einen Uhrenhersteller zu machen. Reklame für ihren neuen Roman "Besser“ (Rowohlt Berlin) musste unsere Kollegin Doris Knecht nicht machen. Der Rabenhof war voll, als sie mit der Schauspielerin Ursula Strauss daraus vorlas. Frau Knecht hatte sich - gemeinsam mit Ingo Pertramer, dem "feschen Fotografen“ aus ihrer Kolumne, und unter Zuhilfenahme sehr vieler Fernseher und Musik von Arcade Fire bis Soap & Skin - ein eher untypisches Setting für eine Buchpräsentation ausgedacht. Hat aber irgendwie auch ganz gut zu dem gepasst, was da gelesen wurde. Den Abend aus der Knecht-Perspektive können Sie nebenan nachlesen.

gerhard stöger &

christopher wurmdobler

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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