Kommt der Rabbiner zum Papst: Lachen auf Jiddisch bei "Alle meschugge?" im Jüdischen Museum

Woche | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 13/13 vom 27.03.2013

Seit Jahrhunderten überreicht der Oberrabbiner von Rom jedem neuen Papst ein geschlossenes Kuvert. Und immer wieder erfolgt dieselbe Antwort: Der Pontifex liest den Zettel darin und gibt ihn kopfschüttelnd zurück. Bis es einem Rabbi schließlich zu blöd wird und er den Inhalt dieses Rituals lüften will. Er liest den vom Papst abgewiesenen Brief: eine Wirtsrechnung für das letzte Abendmahl.

Der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg steuerte diesen Witz zur aktuellen Schau im Jüdischen Museum bei. In einem Video erklärt er, Quellen des jüdischen Humors lägen in der mündlichen Tradition und im Wortwitz des Jiddischen.

Die chronologisch gestaltete Schau "Alle meschugge? Jüdischer Witz und Humor" setzt mit Stummfilmen wie "Ost und West" von 1923 ein, der die Unterschiede zwischen assimilierten und orthodoxen Juden aufs Korn nimmt. Dieser Clash war auch eine Fundgrube für die sogenannte Jargon-Komik, die ab 1900 auf Bühnen in Budapest, Wien und Berlin mit derben Scherzen und Klischees unterhielt. Possen wie das Stück "Die Klabriaspartie" von Adolf Bergmann feierten bis in die 20er-Jahre Erfolge, dann verschwand dieses Genre durch den gewachsenen Antisemitismus.

Ab 1920 entsprach die Revue dem Bedürfnis nach leichter Muse. In Berlin war etwa das Kabarett "Schall und Rauch" vom Dadaismus beeinflusst und thematisierte gesellschaftspolitische Probleme. In Wien sperrten Kleinbühnen auf und zu; Darsteller wie Fritz Grünbaum und Karl Farkas traten auch in Filmen auf. Als "teuflisches Grinsen" verunglimpft ein NS-Poster jüdischen Humor. Die Schau zeigt auch, dass Kabarett in KZs perfiderweise für Propaganda und zur Ruhigstellung von den dem Tod Geweihten eingesetzt wurde.

Viele Bildschirme flimmern im Ausstellungsteil über die Wiener Kabarettszene ab 1950, für die Gerhard Bronner, Georg Kreisler und Helmut Qualtinger zentrale Figuren waren. Nach diesem Kapitel verliert die sehenswerte Schau, die anhand von Beispielen aus Filmgeschichte, Comedy, Sitcoms und Cartoons bis in die Gegenwart führt, leider etwas von ihrer Kompaktheit.

Jüdisches Museum, bis 8.9.


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