Marathonmann des Gelächters

Die größte Tour aller Zeiten bringt den britischen Komiker Eddie Izzard auch nach Wien

KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 13/13 vom 27.03.2013

Er sei "stur und ziemlich dickfellig" hat Eddie Izzard einmal über sich selbst gesagt. Das darf als harsche Untertreibung gelten: Wie auch immer man zum Humor des Mannes stehen mag, an Zähigkeit und Ausdauer, mit der er verfolgt, was er sich in den Kopf gesetzt hat, überbietet ihn niemand. Im Jahr 2009 lief der nur 1,70 Meter große und nicht übermäßig sportliche Komiker 43 Marathons in 51 Tagen -insgesamt 1800 Kilometer. Sinn der ganzen Sache: Geld für einen karitativen Zweck aufzustellen.

Auch den Erfolg auf seinem eigentlichen Terrain hat sich Izzard, der 1962 als Sohn eines BP-Angestellten und einer Krankenschwester in Aden (Jemen) geboren wurde, zäh erkämpft. Frustriert über seine Rolle als dritter Klarinettist in der Schulband, die er zur Grundlage eines seiner lustigsten Sketches machen sollte, versuchte es der elfjährige Eddie mit Schultheater, kam aber auch da nicht besonders weit. Es sollten noch rund zwei Jahrzehnte vergehen, bevor Izzard den Pfad des Erfolges beschritt, der schließlich in den Highway to Superstardom mündete.

Nachdem er sich in den 80er-Jahren als Stand-up-Comedian und als Einrad fahrender Straßenkünstler in Covent Gardens versucht hatte, wurde Izzard mit seinem Auftritt bei der Aids-Benefiz-Show "Hysteria 3" praktisch über Nacht berühmt. Angetan mit einem unglaublich hässlichen, aber ganz offensichtlich nicht komisch gemeinten Hemd, erzählt er in seinem "Wolves-Sketch", wie er während der Nazi-Zeit mit seinen Eltern aus München fliehen musste, anschließend von Wölfen aufgezogen und von diesen im Angeln und Backgammon-Spielen unterrichtet wurde. Wenige Jahre später liefen Izzards Soloabende in den über Wochen und Monate ausverkauften Theatern des Londoner West End.

Vor einer guten Woche hat der Marathon-Mann mit dem neuen Programm "Force majeure" eine Welttour begonnen, die auch in Wien Station macht und ihn bis ins Jahr 2014 durch 25 Länder und fünf Kontinente führen wird. Und als wäre das noch nicht anstrengend genug, hat er sich vorgenommen, von Mal zu Mal auch einen Sketch in der jeweiligen Landessprache vorzutragen. Sein Ehrgeiz in dieser Richtung ist definitiv größer als der seines Vaters, der auf Arabisch nur die Phrasen "ein Bier","zwei Bier" und "drei Bier" beherrscht haben soll: "Wenn er vier Bier bestellten wollte, sagte er ,ein Bier' und ,drei Bier'."

Auch beim Film hat Izzard mittlerweile Karriere gemacht. Er spielte Charlie Chaplin in Peter Bogdanovichs "The Cat's Meow"(2001) und stand in "Ocean's Thirteen" an der Seite von George Clooney (woran sich dieser aber nicht erinnern kann). Für seine auf HBO ausgestrahlte One-Man-Show "Dressed to Kill"(1999) hat Izzard zwei Emmys (für Performance und Buch) gewonnen.

Ein entscheidender Schritt im Leben und in der Karriere von Eddie Izzard ist sein Bekenntnis zum Transvestismus, über den er laut Selbstauskunft schon als Vierjähriger Bescheid gewusst hat. Er sei aber keine Drag-Queen, sondern ein "professioneller Transvestit", betont der Komiker den Unterschied zu bizarren Transvestiten wie Hermann Göring und J. Edgar Hoover: "Mental bin ich ganz Bursche -plus Mädchen-Kram". Mittlerweile hat sich Izard einen Bart stehen lassen und das Make-up stark reduziert.

Die Auftritte des getriebenen Comedians sind ein einziges assoziatives Stakkato. Als Anlass taugt alles, nichts ist zu blöd. Den Umstand, dass sich ein gewisser Gerry Dorsey als Sänger Engelbert Humperdinck nannte, nutzt Izzard zu minutenlangen Verballhornungen des Namens ("Zingelbert Bembledack, Yngybert Dambleban, Kringelbert Fishtybuns").

Die Bibel, der Trojanische Krieg oder ganz alltägliche Situationen sind ihm willkommener Anlass, Unfug zu schwatzen, James Mason zu imitieren, alberne Bewegungen oder das Geräusch zu produzieren, das ensteht, wenn Vögel in die Triebwerke von Flugzeugen gesaugt werden. Dabei übernimmt er alle Rollen selbst, egal, ob es sich dabei nun um Gott, eine Unterhose oder eine Giraffe handelt, die in einer Reflexion über die Moralität im Tierreich ihren Auftritt hat: "Ich werde mehr Blätter essen, als ich sollte -sodass andere Giraffen sterben, hahahaha!"

Sein berühmtester Sketch ist wohl der, in dem Darth Vader in der Star-Wars-Kantine Penne arrabiata bestellt. Das mit Playmobil-Figuren nachgestellte Youtube-Video davon bringt es auf knapp 20 Millionen Klicks. Einem Mann, der die Massen so zu begeistern vermag und über einen so ehernen Willen verfügt wie Eddie Izzard, darf man alles zutrauen. Im Jahre 2020 will er als Kandidat der Labour Party zur Wahl des Bürgermeisters von London antreten. Er wird es wohl werden.

Gartenbaukino, Mi 20.00 (ausverkauft), 22.30


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