Architektur Kritik

Heimische Architektur: Rettung in Schutzanzügen

Lexikon | NS | aus FALTER 13/13 vom 27.03.2013

Vielleicht ist der Ausstellungstitel mit seiner ironischen Schlagseite etwas irreführend. Die Schau "Das Gold des Az W. Die Sammlung" zeigt zwar die Schätze des Architekturzentrums Wien, aber anstatt von Vitrinen mit spektakulären Modellen oder geniestreichhaft präsentierten Zeichnungen wird ein dichter Einblick in das Archiv der Institution geboten. Von den gesammelten Objekten aus dem Az-W-Lager im niederösterreichischen Möllersdorf wurde dafür zwar weniger als ein Prozent herbeigeschafft, aber in Petersburger Hängung fordert schon dieser kleine Ausschnitt die Konzentration des Betrachters heraus.

Das vom Architekturbüro BWM entworfene Display bietet mit einem großen, die Ausstellungshalle durchtrennenden Regal Einblick in die tägliche Ordnungsarbeit der Archivare. Von A bis Z werden die Vor-und Nachlässe vor allem österreichischer Architekten aufgelistet, und es wird anhand von Einzelfällen erzählt, auf welche Weise sie ins Az W kamen. Da musste schon mal in Schutzanzügen ausgerückt werden, um die in einem Container verschimmelnden Pläne des Architekten Lukas Lang zu bergen, oder die Reise führte nach Belgrad, wo Bogdan Bogdanovićs Wohnung vor Material überquoll. Interviews mit Architekten sind zu sehen, etwa wiedergefundenes Videomaterial mit Margarete Schütte-Lihotzky von 1979. Es wird deutlich, wie zentral die Anstrengungen des Az-W-Sammlung für die österreichische Architekturgeschichte sind.

Auf der Rückseite des Regals werden dicht an dicht Entwürfe, Modelle, Pläne und so weiter gezeigt. Gelbe Anstecker markieren die Projekte, die im Vorfeld zu den beliebtesten gewählt wurden; Sieger war das Archiv des Architekturkritikers Friedrich Achleitner. Dank der Vielfalt der Exponate schadet die Überfülle nicht. Es stört nur, dass man oft nicht so nah an die Goldstücke herankann.

Architekturzentrum Wien, bis 22.7.


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