Neu im Kino

Über die Liebe: "Take This Waltz"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 13/13 vom 27.03.2013

Manche Filme beinhalten einen Schlüsselsatz, der zusammenfasst, worum es in ihrem Kern geht. Sarah Polleys "Take This Waltz" - benannt nach dem Lied von Leonard Cohen - ist ein solcher. Die alkoholkranke Schwägerin der Hauptfigur spricht den Satz aus, der betont, dass es nicht nur eine Liebesgeschichte ist, die hier erzählt wird. Die Handlung um die jung verheiratete Autorin Margot, die sich in einen anderen Mann verliebt, reicht tiefer: "Take This Waltz" führt bis zu dem Loch im Inneren der menschlichen Existenz, das auch die Liebe nicht dauerhaft füllen kann.

Mit seinem unverklärten Blick auf Beziehungen und der großartigen Michelle Williams in der Hauptrolle erinnert Polleys Werk an Derek Cianfrances Drama "Blue Valentine", ist jedoch -angekündigt als "bittersüße Liebeskomödie" - trotz hohen Taschentuchbedarfs weniger harte Kost: In einem märchenhaft angehauchten Toronto angesiedelt, kommt "Take This Waltz" auf sommerlich-bunten Füßen daher.

Unaufgeregt entfaltet sich eine detaillierte Handlung voll kleiner, rätselhafter Rituale, offenbart sich ein zärtliches, humor-und schmerzvolles Bild vielschichtiger Figuren und ihrer Gefühle, die 116 Minuten nicht restlos einfangen können -und wollen. Die Balance aus klaren Worten, mehrdeutigen Anspielungen und Auslassungen macht Sarah Polleys Film zu einem wahrhaftigen und mutigen Werk.

Durchgehend wunderbar gespielt - Seth Rogen überrascht als Margots verschlossener Ehemann Lou - lässt "Take This Waltz" das Publikum tief in eine sinnliche Geschichte ohne klassischen Aufbau eintauchen, aus der es durchgeschüttelt und bereichert herauskommt. Ein sehr schöner, sehenswerter Liebesfilm mit langer Nachwirkung.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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