Meinesgleichen

Ist der Teilzeitsozialismus eine Lösung für die Krise?

Falter & Meinung | aus FALTER 14/13 vom 03.04.2013

Der Markt stellt uns in einem fort merkwürdige Fragen, das Recht gibt auch keine guten Antworten. Vor Ostern gab es einen Massenunfall auf der Westautobahn. Die Autofahrer seien bei Eis und Schnee teilweise viel zu schnell unterwegs gewesen, behauptet die Straßenbetreibergesellschaft Asfinag. Jeder, der die Verrückten in ihren Audis und SUVs kennt, glaubt das sofort. Dennoch wollen Autofahrer die Asfinag klagen: Sie hätte die Straße eisfrei halten müssen. Der Straßenverkehr ist ein schönes Beispiel für den Verlust jedes Sinns für das Gemeinwesen. Vielleicht dient der Verkehr sogar einer Einübung in diesen Verlust. Zugleich zeigt sich, dass der Begriff der Verantwortung, den die Gemeinwesengegner gern mobilisieren, nicht viel taugt. Denn als Autofahrer hat man Verantwortung eben nicht nur für sich, sondern für alle Verkehrsteilnehmer.

Wenn es wahr ist, dass der Straßenverkehr ein Bild für Kommendes darstellt, muss man nicht unbedingt pessimistisch sein. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) zieht nämlich aus der Krise eine Konsequenz, die wir nur begrüßen können: den sogenannten Preiskorridor. Sprich, über Feiertage wie Ostern werden die Preise für Benzin amtlicherseits eingefroren. Die sogenannten Märkte dürfen ihre Abzockerei für ein paar Tage einstellen. Teilzeitsozialismus, verordnet von einem Konservativen. Und kein Markt bricht zusammen, die staatsbürgerliche Freiheit leidet nicht, die Erdölindustrie überlebt es. Teilzeitsozialismus, wir kommen!


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