Nachgesehen  

Politik | Barbara Tóth | aus FALTER 14/13 vom 03.04.2013

Ein Wiener Schauplatz, an dem kleine oder große Politik stattfindet

Jetzt will die ÖVP auch noch den Dr.-Karl-Renner-Ring umbenennen

Nein, auch Karl Renner war kein lückenlos Guter. Der Baumeister der Ersten und Zweiten Republik war, wie es der Politologe Anton Pelinka treffend formulierte, eher ein "Mann für alle Jahreszeiten“.

In der vom Judenhass schon durchsetzten Zwischenkriegszeit wetterte er im Parlament gegen "das jüdische Großkapital“, die "jüdischen Schleichhändler“ und den "jüdischen Manchester-Kapitalismus“.

Der Salzburger Historiker und ehemalige ÖVP-Politiker Franz Schausberger fordert nun, auch den Renner gewidmeten Abschnitt des Rings umzubenennen. Der Dr.-Karl-Lueger-Ring, benannt nach dem ehemaligen Wiener Bürgermeister, einem noch wilderen Antisemiten, musste ja schließlich auch schon dran glauben. Er heißt jetzt Universitätsring.

Straßen umbenennen geht schnell; die erschreckend lange Kontinuität des Antisemitismus in unserer Gesellschaft lässt sich nicht so einfach ausradieren.


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