Mediaforschung  

Warum kauft H&M die Plakatflächen halb Wiens auf?

Verführungskolumne

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 14/13 vom 03.04.2013

Halb Wien trägt derzeit H&M. Die Triester Straße ist mit den frühlingshaft-blumigen Plakaten der aktuellen Conscious-Kampagne zugepflastert. Der Westbahnhof schaut fast schon so aus wie das Zimmer vom schlimmen Max in Maurice Sendaks legendärem Kinderbuch "Wo die wilden Kerle wohnen“: ein grünes Paradies, mittendrin Vanessa Paradis.

"Station Branding“ und "Dominanzen“ nennen die Werbeprofis bei Gewista diese kostspielige Art der Stadtbildintervention. H&M wirbt mehrmals im Jahr so breitflächig, der Textilkonzern gibt 3,5 bis 4 Prozent des Konzernumsatzes für Marketing aus.

Wie viel genau, verrät er nicht. "Länderspezifische Marketingbudgets kommunizieren wir im Detail nicht“, heißt es auf Anfrage des Falter. Dass H&M so präsent sein will, hat einen guten Grund. Der Textilkonzern leidet unter dem harten Winter und der Rezession. Der Gewinn brach im ersten Geschäftsquartal um 13 Prozent ein. Die Schweden reagieren darauf mit Expansion. Neue Filialen, neue Ketten (neben der Edellinie COS kommt nun & Other Stories), neue Kooperationen mit Designern, neue Aktionen - und noch mehr Werbung.

Im Rahmen der Conscious-Kampagne nimmt H&M übrigens auch alte Kleider zurück. Für jeden gespendeten Altkleidersack bekommt man ein neues Kleidungsstück um 15 Prozent billiger. Pro gesammeltes Kilo Gewand spendet das Unternehmen 0,02 Euro an das St. Anna Kinderspital. Gute Sache. Aber ein bisschen weniger werben und die Differenz spenden ginge doch auch, oder?


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