John Grant: Die derbsten Mutterschänder haben offenbar die schönsten Lieder

Feuilleton | Musikkritik: Gerhard Stöger | aus FALTER 14/13 vom 03.04.2013

An sich ist der Mutterschänder in der Hip-Hop-Kultur daheim. Anspielungen auf sexuelle Handlungen mit den Müttern anderer Rapper toppen dort noch die in Reime gegossene Häme über die geringe Schwanzlänge und Eierkraft des Konkurrenten; gleichzeitig heißt motherfucker schlichtweg auch "saucooler Hund“. Im gepflegten Liedermacherpop ist er eine rare Spezies. John Grant ändert das jetzt. Aber der Amerikaner mit dem Waldschratbart und der sonoren Schmeichelstimme ist ja auch kein ganz typischer Singer/Songwriter; zuletzt machte er etwa mit den Housepop-Wunderwuzzis Hercules & Love Affair gemeinsame Sache.

"GMF“ heißt ein Song seines neuen Albums "Pale Green Ghosts“. Es ist eine zartschmelzende, aber auch behutsam angeschärfte Edelballade, wie sie Elton John in einem gewagten Moment anno 1973 eventuell auch gesungen hätte. Das kryptische Kürzel steht für "Greatest Motherfucker“, und genau so stellt sich Grant vor: "I am the greatest motherfucker that you’re ever going to


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