Nüchtern betrachtet 

Soll die Verbreitung von Unfug straffrei bleiben?

Feuilleton | aus FALTER 14/13 vom 03.04.2013

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Jetzt, da die Nullerjahre abgelaufen sind, braucht auch niemand mehr "Nullerjahre“ zu sagen. Solange man in den Nullerjahren war, haben sich alle gewunden, wenn sie "Nullerjahre“ gesagt oder geschrieben haben. Zugleich aber ist von dem unbeliebten Wort ganz offenkundig eine perverser Energie ausgegangen, denn ziemlich viele haben ziemlich viel über die dramatischsten politischen Ereignisse, die wichtigsten Popplatten oder die schönsten Politessen der "Nullerjahre“ zu sagen oder zu schreiben gehabt. Die "Zehnerjahre“ hingegen führt niemand im Mund, und auch die "2010er-Jahre“ sind nicht gerade rasend populär. Seltsam eigentlich, denn kaum war man im 21. Jahrhundert angelangt, haben alle von den "1990er-Jahren“ geschrieben, grad so, als müsste man angesichts der Kluft zwischen den Säkula plötzlich Sorge tragen, die 1990er-Jahre ja nicht mit den 1890er-, 1790er- oder den 090er-Jahren


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