Stadtrand 

Von wegen Untergang: Lesen ist wieder cool

Urbanismuskolumne

Stadtleben | aus FALTER 14/13 vom 03.04.2013

Matthias Dusini wundert sich über die Kulturtechniken im öffentlichen Raum

Nimm das, Bildungsbürger! Das Lesen und Schreiben ist wieder auf dem Vormarsch. Wer mit der U-Bahn oder Straßenbahn fährt, sieht die Leute wie verrückt in ihre Handys tippen, eindaumig, zweidaumig, auf iPads auch mehrfingrig. Von wegen bildungsfern: Allen kulturpessimistischen Unkenrufen zum Trotz ist auch die Lektüre von Texten alles andere als verschwunden.

Die öffentlichen Verkehrsmittel verwandeln sich in Lesesäle, in denen schweigende Menschen auf ihre Displays starren, SMS und E-Mails lesend, sich in sozialen Netzwerken über ihre Gefühle und Anliegen austauschend. Das hat auch Wien, die Hauptstadt der schlechten Laune, freundlicher und friedlicher gemacht.

Statt dem Nachbarn aus purem Ingrimm die Tasche in den Rücken zu rammen, schreibt man schnell mal ein Hassposting an eine Onlinezeitung. Und anstatt einen unliebsamen Fahrgast mit rüpelhaften Bemerkungen zu beleidigen, kotzt man schnell mal auf Twitter über Justin Bieber ab. Weiter so, Digitaljunkies! So kann man endlich einmal in Ruhe ein Buch lesen.


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