Ins Mark  

Fanal der Hoffnung

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 14/13 vom 03.04.2013

Bürgermeister Siegfried Nagl hat in einem Interview mit dem ORF einen "politischen Führerschein“ für kommende Volksvertretergenerationen gefordert, eine "politische Grundausbildung“. Ah, die gab es also bislang nicht. Jetzt wird das Desaster erst begreifbar: Unsere Gemeinderäte, Stadträte oder Landtagsabgeordnete betraten bislang die politische Bühne als zirzensische Schausteller mit TingelTangel-Erfahrung. Wir stellen uns das jetzt einfach so vor, dieses Bild vor Augen zu haben ist notwendig. Denn sollten bislang schon alle Register gezogen worden sein, würde die Hoffnung, dass es einmal besser werden könnte, elendig zugrundegehen.

Für einen Pkw ist ein Führerschein selbstverständlich. Nicht selten laufen die Teströhrchen der Exekutive an, wenn Politiker einen über den Durst gedudelt haben. Der Druck. Hochprozentiges in der Führerkabine ist gar nicht zwingend Rücktrittsgrund. Was folgende Fragen aufwirft: Was darf der Besitzer eines Politikerführerscheins und was darf er nicht? Wie wird zu tadelndes Verhalten sanktioniert? Kann der Lappen auch abgenommen werden?

Zumindest sollte über die Parteigrenzen hinweg über den Schein nachgedacht werden, meinte Nagl. In welcher Form, hat er nicht gesagt. Brillant, das offenzulassen. Man malt sich das nämlich so aus: Hochmotivierte junge Leute genießen eine grundsolide Ausbildung, um sich dann mit parteipolitischer Klüngelwirtschaft zu verzetteln. Seine wahre Größe entfaltet dieser Führerschein somit bloß dann, wenn er als ideelles Fanal eine verheißungsvolle Zukunft ausleuchtet, niemals darf er am Boden der Realität landen. Er würde sich in der nächstbesten Pfütze auflösen.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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