Logbuch

Es ist nicht wie in der Südsee, aber

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 14/13 vom 03.04.2013

29.3. Karfreitag. Es schneit in dicken Flocken. Es schneit auf das schon Verschneite hinauf und macht den Schnee mehr, der schon liegt. Das könnte einen deprimieren. Ist aber eh schon wurscht. Soll es schneien. Man hat ein Mail bekommen von einem, der gerade auf einer Südseeinsel in einer Hütte lebt, nachts nackt ins Meer taucht und dabei das Universum anstaunt, und man denkt über dieses Mail nach, während man um fünf Uhr Früh im Daunenmantel vor der Haustür hockt und raucht und darauf wartet, dass drinnen der Holzofen wieder heiß wird und das Heizkörperwasser erhitzt.

Es ist noch dunkel. Es schneit. Das Katzenfutter ist gefroren. Man geht wieder hinein, setzt sich auf einen Schemel vor dem Ofen und beobachtet das Thermometer an der Heißwasserpumpe, der Zeiger ruckelt ganz langsam richtig 100 Grad. Es ist sehr still. Der Zeiger bewegt sich kaum, man legt zwei Scheite nach, zieht den Mantel an und setzt sich wieder vors Haus. Es wird langsam hell. Eine Amsel fängt an zu singen, dann noch eine. Man staunt das Universum an, das sich irgendwo hinter dem Geschneie versteckt.

Man raucht. Man denkt an die Installateure. Im Waldviertel schieben die Installationsbetriebe jetzt Sonderschichten, weil die dummen Wiener in ihre Sommerhäuser zurückkommen und Probleme mit ihren Wasserpumpen und ihren Rohren und ihren Heizungsventilen haben.

Es muss gut sein, Installateur zu sein. Natürlich, man arbeitet in der Nässe und in der Kälte, aber wenn man in die Häuser kommt, deren Bewohner einen verzweifelt angerufen haben, weil ihnen das Wasser aus allen Rohren spritzt, wird man mit tiefer, universaler Dankbarkeit empfangen. Und wenn man wieder geht, und es spritzt kein Wasser mehr aus den Rohren, und es sind neue Ventile dort, wo sie hingehören, Ventile, die die Hausbewohner nun mit einer Hand auf und zumachen können, anstatt sie mit der Rohrzange zu zerquetschen und nicht mehr zuzukriegen, dann sind die Bewohner noch dankbarer, und der Installateur fährt zufrieden in sein trockenes, sauberes Zuhause, wo im Badezimmer nicht zehn Zentimeter hoch kaltes, schmutziges Wasser steht. Er zieht seine Installateursuniform aus, schlüpft in die Patschen, setzt sich vor den Fernseher und denkt an die dankbaren Hausbewohner zurück, die nun in Gummistiefeln das Wasser aus ihren Badezimmern schöpfen. Installateure schlafen sicher gut.

Man geht wieder hinein, setzt sich auf den Schemel, und als der Zeiger bei 120 Grad ankommt und der Ofen zu klopfen anfängt, lässt man das heiße Wasser durch dichte Rohre in die Heizkörper ab und spürt, wie es wärmer wird. Es ist nicht, wie unterm Sternenhimmel in einem warmen Ozean zu schwimmen, aber. Man geht wieder ins Bett und schläft weiter, bis der Lange einem Kaffee nebens Bett stellt. Es ist warm. Der Lange spricht über Justin Bieber, man hört nicht richtig zu. Draußen fallen Flocken, dick und dicht.


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