Menschen

Bieber Butzelmann

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 14/13 vom 03.04.2013

Wir sind ja die Zeitung mit dem Adler. Wobei beim Falter der Adler Schmetterlingsflügel hat; Sie kennen das Logo. Die Kunsthalle Wien ist offenbar ab sofort die Kunsthalle mit dem Adler. Beziehungsweise: mit den Adlern. Kunsthallen-Direktor Nicolaus Schafhausen wollte offenbar für sein Institut ein neues Logo - oder Corporate Design, wie wir Werbischen so sagen. Kurzerhand engagierte er den belgischen Grafiker und Künstler Boy Vereecken. Der vermischte Wiener Werkstätten-Sachlichkeit mit Wiener Wappentier, und jetzt gibt es ganz viele verschiedene Möglichkeiten für die Kunsthalle. Und wie findet das der feine Herr Schafhausen? "Brutal but sexy.“ Yeah!

Brutal würden auch viele die in weiten Kreisen sehr beliebte TV-Serie "Game of Thrones“ bezeichnen. Aber auch sexy (wenn man so was mag). Jedenfalls läuft beim Bezahlsender Sky jetzt die dritte Staffel der Fantasy-Mittelalter-Saga, fast zeitgleich mit dem US-Sender HBO. Zur Einstimmung auf die epische Schlacht an der Blackwater Bay zeigte das Filmfestival Slash in Kooperation mit Sky im Filmcasino die letzten drei Folgen der zweiten Staffel. Weil das für die echten Fans aber nicht sooo den Neuigkeitswert hatte, schaute noch ein echter "Game of Thrones“-Darsteller vorbei: Tom Wlaschiha, in der Serie Jaqen H’ghar. Der Schauspieler, übrigens ein Deutscher, gab Autogramme und stand Rede und Antwort. Wir wünschen uns demnächst Dexter-Darsteller Michael C. Hall oder "Mad Men“-Mann Jon Hamm live ins Kino. Bitte, geht das, Sky?

Curtis James Jackson III. saß ja erst kürzlich auf dem ZDF-Wettpaten-Pudding in der Wiener Stadthalle. Musste dem unter dem Bühnennamen 50 Cent bekannten Rapper und Filmdarsteller ja wahnsinnig gut gefallen haben in unserem schönen Städtchen. Weshalb er sich vergangene Woche nach Wien-Mitte in "The Mall“ ("Them All“) begab, um dort in einem Elektroniksupermarkt Kopfhörer zu signieren. Natürlich nicht irgendwelche Billigsdorfer, sondern die der neuen Kollektion seines Headphone-Labels "SMS Audio“. Zumindest musste man sich mit so einem Kopfhörer oder einer Media-Markt-Rechnung nicht in der Schlange einreihen, die bis auf den Bahnhofsvorplatz reichte. 4000 Menschen wollten den Rapper beim Unterschreiben sehen. Er werde das Wiener Publikum "nie vergessen“, sprach Herr Cent. Gott segne euch. Wird jetzt "Them All“ die neue Lugner City?

Und was wird dann aus der Passage? Der angesagteste Wiener Club der Welt, der sich in einer ehemaligen Fußgängerunterführung befindet (manche sagen zur Passage auch "Loch im Boden“), war vergangene Woche Schauplatz unschöner Szenen. Weil das kanadische Teenieidol Justin Bieber zwecks Europatournee in der Stadt war und vor seinem Konzert in der Wiener Stadthalle auch einmal ein bisschen Party machen wollte, besuchte er wohl die Passage. Weil Teenieidole offenbar auch in Coolistan kreischende Teenager verursachen, kam es zu Rangeleien seitens böser Bodyguards - der Boulevard berichtete -, mit der Folge, dass der Bieber im Loch im Boden nun Hausverbot hat. Sonst verlief der Aufenthalt des Popstars aber weitgehend ohne Zwischenfälle. Einmal abgesehen von ein paar tausend Fans, die sich beim Konzert so verausgabten, dass sie von der Rettung abgeholt werden mussten. Eigentlich schon bitter: Da freut man sich als Teenie wochenlang auf so eine Veranstaltung, kreischt sich ein bisschen die Seele aus dem Leib und verbringt dann den Abend in der Notfallaufnahme, statt in der ersten Reihe. Und alles nur wegen dem Bieber-Butzemann.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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