Film Neu im Kino

Alltag der Bedrohung: "Just the Wind"

LEXIKON | JOACHIM SCHÄTZ | aus FALTER 14/13 vom 03.04.2013

Bleibt zusammen, dann passiert nichts", rät der Vater beim Videotelefonat. Er ist in Kanada, Tochter Anna will bald nachkommen. Noch leben sie, Mutter Mari, Bruder Rió und der Großvater in Ungarn am Land. Vor kurzem wurde wieder eine Roma-Familie umgebracht, diesmal ganz in der Nähe. Der Spielfilm "Just the Wind" rekonstruiert nicht die Fakten der tödlichen antiziganistischen Attacken, die sich in Ungarn 2008 und 2009 häuften, sondern protokolliert einen Alltag im Bewusstsein der Bedrohung. Einen Tag lang folgt der Film den Wegen von Anna, Rió und Mari -zur Arbeit und in die Schule, durch den Wald und an den Teich. Regisseur Bence Fliegauf und Kameramann Zoltán Lovasi umspielen ihr Laienensemble in körpernahen Bildern, deren Intimität nie weit von Beklemmung entfernt ist. Manchmal bringt doch nicht nur der Wind das Laub zum Rascheln, manchmal hilft auch Zusammenbleiben nichts. Unter dem beiläufigen Tonfall rattert die soziologische Beweisführung öfter ziemlich lautstark, etwa wenn ein Polizist in eine große Rassismusarie ausbricht. Leicht abschütteln lässt sich dieser zielsichere, dicht gewobene Film aber nicht.

Ab Fr im Künstlerhaus (OmU)


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