Marathon ohne Berührungsängste

Eine junge heimische Jazzszene präsentiert sich wieder bei der jährlich stattfindenden Jazzwerkstatt Graz

STEIERMARK | TIZ SCHAFFER | aus FALTER 14/13 vom 03.04.2013

Heuer findet die siebente Ausgabe der Jazzwerkstatt Graz statt. Und es wird nichts weniger als ein Musikmarathon versprochen - jeden Abend konzertieren drei Formationen, und das ganz ohne "stilistische Berührungsängste". Wer in Rechnen aufgepasst hat, wird zu folgender Erkenntnis kommen: Das Festival dauert sechs Tage lang. Wenn nun an jedem dieser Festivaltage drei Konzerte stattfinden, werden in Summe 18 Gigs über die Bühne gehen. Gegründet wurden Plattform und Festival nach dem Vorbild seines Wiener Pendants von den Musikern Siegmar Brecher und Valentin Czihak. Das Genre Jazz beliebt man leger auszulegen, "Grenzüberschreitungen sind ausdrücklich erwünscht", so Brecher. Von ihm ist auch zu erfahren, dass das derzeit vierköpfige Organisationsteam mehr oder weniger ehrenamtlich arbeitet. Neben Brecher sind das die Sängerin Tjaša Fabjančič, der Saxofonist Patrick Dunst und der Pianist Michael Lagger.

Brecher gönnt sich das Vergnügen, mit den Dogs of Lust den heurigen Auftaktgig zu geben. Das Quartett besteht aus Vincent Pongracz (Klarinette), Raphael Preuschl (b) und Valentin Schuster (dr), Brecher spielt die Bassklarinette und hat die Komposition geschrieben. Nicht alle, aber viele der jungen Musiker, die während des Festivals auftreten, haben eigens dafür Kompositionen geschrieben.

Aber auch andere Mitglieder des Veranstaltungsteams, Dunst und Lagger nämlich, wird man am 12.4. um 22.30 Uhr in dem Quartett Tribal Dialects feat. Sina Shaari hören können. Shaari, er stammt aus dem Iran, sei ein Virtuose an der Oud, eine persische Kurzhalslaute. Man sieht: Auch ausländische Gäste sind willkommen. Wie etwa das experimentelle finnische Pop/Jazz-Trio Elifantree (13.4. um 21 Uhr) oder die aus Berlin stammende Combo L &Speiche (14.4. um 22.30 Uhr), die akustische Popsongs mit Jazz-Folk-Appeal darreichen wird und bei der auch die Komponistin und Sängerin Laura Winkler mitwirkt.

Die gebürtige Grazerin kennt man unter Umständen auch von der Formation aura:L sculptures, sie lebt in Berlin und wird schon zuvor am Mittwoch um 21 Uhr zusammen mit dem Bassisten und Elektroniker Michael Ringer als das John & Jane Doe Duo zu sehen sein. Sicher interessant dürfte auch der Auftritt des Quartetts Luna*Lab werden, ein neues Projekt von Angela Tröndle. Tröndle durfte ja zuletzt einiges Lob für The little band from Gingerland einfahren, mit der neuen Formation taucht sie in eine "fragil-subtile Songwriting-Welt" ein.

Orpheum Graz, 9.-14.4.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige