Theater Kritik

Ein bunter Abend mit Wolfi Bauer

LEXIKON | WK | aus FALTER 14/13 vom 03.04.2013

Der Grazer Dramatiker Wolfgang Bauer (1941-2005) war in den 1970er-Jahren ein Popstar der österreichischen Literatur. Seine unendlich lässigen Stücke -allen voran "Magic Afternoon" - waren international gefragt, der Autor wurde als "Magic Wolfi" gefeiert. Als Bauers Dramen dann immer surrealer wurden, ebbte das Interesse daran ab; heute wird höchstens noch der Klassiker "Magic Afternoon" hin und wieder aufgeführt. Dass man Bauer Unrecht tut, wenn man ihn auf sein bekanntestes Stück reduziert, möchte Regisseur Hubsi Kramar mit seiner Collage "Wolfi Bauer Superstar -Die Gala" im Rabenhof beweisen. Nach dem Muster ähnlicher Produktionen über den Wiener-Gruppe-Dichter Konrad Bayer (1984) und den Grazer Bauer-Kumpel Gunter Falk (2002) hat Szene-Nestor Kramar einen bunten Abend mit Szenen, Texten und Liedern inszeniert. In drei Dutzend Szenen oder Nummern ist ein 15-köpfiges (!) Riesenensemble -zusammengesetzt aus Kramars Showinisten-Truppe und ein paar Rabenhof-Leuten -im Einsatz. Angespielt werden ganz frühe, absurde Stücke ("Katharina Doppelkopf") oder auch Entlegenes wie das Exposé zu einem Grazer Katastrophenfilm ("Valentins Bridge"). Zu den Höhepunkten des etwas überlangen, durchwachsenen Abends gehören die von Gerald Votava (Gitarre, Gesang) und Rainer Binder-Krieglstein (Drums) zu Rocksongs vertonten Bauer-Gedichte sowie die Auftritte von Stefano Bernardin, der bei Hubsi Kramar immer wieder lustvoll sein Image als braver TV-Star beschädigt. Stark auch Christian Strasser, der in Auszügen aus den "großen" Stücken ("Magic Afternoon","Change","Silvester", "Gespenster") jeweils als Bauers Alter Ego im Einsatz ist. Diese Szenen sind so gut, dass man sich wünscht, bald wieder mal ein ganzes Bauer-Stück auf der Bühne erleben zu können.

Rabenhof, Fr, Sa, Mi 20.00 (bis 26.4.)


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