Vor 20 Jahren im Falter  

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 15/13 vom 10.04.2013

Sex, Sex, Sex

Das war einmal ein Coverthema, zu dem man auch vom Verkaufsstandpunkt nur Ja sagen konnte. Sex sells, und "Senger & Bornemann über Sex“ musste doppelt sellen. "Österreichs Sexexperten bewerten die Lage der Nation“, versprach die Unterzeile, Zeichner Ivan Klein ließ keinen Zweifel offen: eine Frau vor einer Tafel mit abstehendem Knüppel, Aufschrift "Mann“, ein Mann vor einer ähnlichen Tafel mit Loch, Aufschrift "Frau“. Im Vordergrund kleine Tafeln: Aufschrift "Socke“ (mit Loch), Aufschrift "Tier“ (mit Schwänzchen), Aufschrift "Beton“ (ohne Loch). "Wohin in der Verwirrung?“, fragte der Bildtext.

Sexexpertin Gerti Senger von der Kronen Zeitung wurde interviewt von Christian Zillner und beteuerte, niemals jemanden zu fidelem Geschlechtsverkehr animiert zu haben. Den Interviewpartner dürfte sie hingegen durchaus animiert haben, denn er berichtet: "Sengers Bücherwand habe ich mir so gern angesehen wie die Besitzerin während unseres Gesprächs.“

Ernest Bornemann argumentierte durchwegs gesundheitlich - hätten wir weniger Sexprobleme, würden wir Gesundheitskosten sparen ohne Ende. Edith-Ulla Gasser erzählte auch Bornemanns steile Biografie - Emigrant nach Hollywood, dort gemeinsam mit Orson Welles (!) ein Drehbuch verfasst, später Unesco-Filmbeauftragter, Romanautor und Jazzkomponist. Dann Sexologe im Sinn von Psychoanalyse, Marxismus und Feminismus - solche machen sie heute nicht mehr.

Der Rest des Falter: Wiens Vizebürgermeister Hans Mayr erklärte Thomas Vašek und Bernhard Odehnal sein Programm gegen die Rezession. Martin Staudinger berichtete über Hilfe für die 20.000 Wiener Spielsüchtigen. Robert Rotifer porträtierte eine Dame, die seit 23 Jahren "schwierigen“ Jugendlichen half, ihr Leben in den Griff zu bekommen: Ute Bock hieß die Leiterin des Gesellenheims Favoriten. Zur Retrospektive von Kenji Mizoguchi im Filmmuseum hatte ein gewisser Jean-Luc Godard einen Text eingeschickt. Das Stadtleben glänzte mit einem Kebab-Test. Motto: Erst lesen, dann essen. AT


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