Der Künstler geht voran, der Caffè latte folgt

Feuilleton | Aufsatz: Klaus Nüchtern | aus FALTER 15/13 vom 10.04.2013

In seinem Buch über "Die Erfindung der Kreativität“ erklärt der Soziologe Andreas Reckwitz, warum wir dauernd kreativ sein wollen

Der wahre Held von "Mad Men“ ist natürlich Peggy Olson, die sich allen paternalistischen Widerständen zum Trotz von der Sekretärin zur ersten Texterin der Werbeagentur Sterling Cooper hocharbeitet. Beruht der Oberflächenreiz der TV-Serie auf dem Retro-Appeal ihrer Schauwerte (Männer mit schmalen Krawatten und Frauen mit breitem Hintern) und der Einladung, die pseudo-libertäre Entregelung "politisch korrekter“ Selbstkontrolle (als man im Büro noch saufen und vögeln sowie überall rauchen konnte) zu genießen, so erzählt "Mad Men“ abseits davon auch ein spannendes Kapitel der Spätmoderne nach.

Die durchaus auch ambivalenten Entwicklungen, die wir generell mit den 60er-Jahren in Verbindung bringen, verdichten sich in der Figur der von Elisabeth Moss dargestellten Peggy Olson. Ausgerechnet jene Frau, die zunächst als unterprivilegiertes Mauerblümchen

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