"Kreativität ist keine natürliche Eigenschaft des Menschen, sondern nur innerhalb eines bestimmten kulturellen Programms zu verstehen“

Feuilleton | Interview: Klaus Nüchtern | aus FALTER 15/13 vom 10.04.2013

 Wir müssen kreativ sein und wir wollen es auch sein. Was uns heute als fast selbstverständlich erscheint, ist in Wirklichkeit das Ergebnis eines komplexen historischen Prozesses, dessen Anfänge bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. In seinem Buch "Die Erfindung der Kreativität“ zeigt Andreas Reckwitz, wie dieser Wunsch und Zwang zur Kreativität entstanden und wie er "seit den 1970er-Jahren immer tiefer in die kulturelle Logik der privaten Lebensführung der postmaterialistischen Mittelschicht (und darüber hinaus) eingesickert“ ist. Reckwitz lehrt als Professor für Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder.

Falter: Ihr Buch trägt den wohl auch bewusst kess gewählten Titel "Die Erfindung der Kreativität“. Dürfen wir mit der Naivität kokettieren und Sie einfach einmal fragen, wer die denn wann erfunden hat?

Andreas Reckwitz: Ebenso einfach geantwortet: Die Genieästhetik am Ende des 18. Jahrhundert war "schuld“. Zu dieser Zeit wurde


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