Ohren auf  

Rap-Reflexion: Runter mit der dicken Hosen

Hip-Hop ohne Gangsta

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 15/13 vom 10.04.2013

Der in Berlin lebende Linzer Hip-Hopper Peter Pangerl hat in den letzten Jahren unter seinem Rapper-Pseudonym Chakuza drei Alben in die deutschen Top Ten gebracht. Glücklich gemacht hat ihn das allerdings nicht - wie es das alte Künstlerklischee ja auch vorsieht: Bleibt der Erfolg aus, leidet er darunter, hat er Erfolg, fühlt er sich erst recht unverstanden. Denn der Gangsta-Sound für Pubertierende, den Chakuza im Windschatten von Bushido produzierte, erwies sich für ihn als Fluch. Die Maske, die sich Pangerl dafür aufsetzte, ließ sich irgendwann nicht mehr abnehmen. Alkoholmissbrauch und Depression waren die Folge.

Alles überwunden: Nach dem beliebten Phönix-aus-der-Asche-Prinzip veröffentlichte der Oberösterreicher kürzlich sehr erfolgreich sein Comeback "Magnolia“ (Four Music). "Metamorphose“ lautete das Motto. Die Produzenten, die auch den Überraschungserfolg des kuscheligen Masken-Rappers Cro mitverantworten, sorgten für einen erfreulich organischen Sound, die von Läuterung erzählenden, selbsttherapeutischen Texte sind zwar manchmal ein bisschen pathetisch und dick aufgetragen, bleiben aber nachvollziehbar. Und der Erfolg, der auch dem "neuen Chakuza“ beschieden ist, beweist, dass Hip-Hop auch eine breite Hörerschaft jenseits der 18 anzusprechen vermag.

Ein weiteres Indiz dafür ist der in Deutschland schon länger anhaltende Hype um Prinz Pi. "Von mir aus nenn mich Spießer“, sagte der wie ein ewiger Student aussehende Rapper kürzlich im Interview mit Spiegel online. Sein neues Album "Kompass ohne Norden“ (Groove Attack) handelt von Hip-Hop-untypischen Themen wie ewige Liebe vor dem Hintergrund kurzfristiger Lebensentwürfe. Die Musik eifert neben Genregiganten wie Dr. Dre und RZA auch der Soundästhetik der Sixties und nicht zuletzt den Beatles nach. Das klingt charmant und auch überraschend schlau, wobei auch hier das hinter so manchem Reim hervorlugende Pathos ein wenig nerven kann. Wenn’s sonst nichts ist.


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